Ungereimt
Traurige Rheintöchter. Seit 1864, dem Jahr ihrer Geburt (im Wiener Kärtnertortheater war’s, unter dem leicht irreführenden Titel «Die Rheinnixen») sitzen sie auf ihrem Loreley-Felsen und warten darauf, dass man sie auf Frankreichs Bühnen bittet. Bislang vergebens.
Gut möglich, dass jene Kräfte, die ihren Schöpfer Jacques Offenbach nicht als «französischen» Komponisten verstanden wissen wollen (oder ihn, in der Nachfolge des bekennenden Antisemiten Richard Wagner, bewusst geringschätzten), so dominant waren, dass ihr Veto genügte, um dieses schillernde, für die Offenbach-Rezeption maßgebliche Werk zu verhindern. Die große romantische Oper «Les Fées du Rhin» wurde nach ihrer Erstaufführung 2002 im Cankarjev Dom zu Ljubljana lediglich in Trier, Bremerhaven, Budapest und Cottbus (halbszenisch) gezeigt; Montpellier – wo die einzige bisher verfügbare Aufnahme entstand –, Lyon und die New Sussex Opera brachten immerhin konzertante Aufführungen zuwege. Schon deswegen gebührt der Opéra de Tours höchster Respekt. Sie brachte – in einer Koproduktion mit dem Theater Orchester Biel Solothurn – «Les Fées du Rhin» nun als erstes Haus in französischer Originalversion heraus, auf Basis der von ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Jürgen Otten
Sie meinen es wirklich ernst in Halle mit dem Versuch, sowohl dem Publikum als auch den Künstlern die Wahrnehmungs- und Erfahrungsgewohnheiten der Oper radikal zu öffnen. Nach «Heterotopia» in der Spielzeit 2016/17 hat Sebastian Hannak erneut eine Raumbühne ins gediegen-prächtige Opernhaus gewuchtet, die die Grenzen von Zuschauerraum und Bühne aufhebt. «Babylon»...
Man schreibt das Jahr 2004, da suchte das Theater Heidelberg einen Generalmusikdirektor. Ein Hannoveraner überzeugte beinahe alle – nur das Orchester hielt ihn mit 24 Jahren für zu jung. Widerwillig billigte es dem Aspiranten eine Probe-Aufführung zu, «Tannhäuser». Er kannte das Stück als Korrepetitor, dirigiert hatte er es nicht. Und so betrat er am 3. Juni,...
Im Vergleich zur Wiederentdeckungswelle der 1980er-Jahre ist es um Franz Schreker deutlich ruhiger geworden – in Zürich wurde zu diesem Komponisten freilich noch einmal ein starkes Wort gesprochen. Zur Saisoneröffnung brachte das dortige Opernhaus «Die Gezeichneten» heraus – und das in einer Produktion, die mit ihren scharfen Kanten neue Deutungswege erkennen...
