Kino, Kammerspiel, Klischees
In Dario Argentos Horror-Thriller «Opera» (Terror in der Oper, 1988) ist eine Aufführung von Verdis «Macbeth» Ausgangspunkt einer so blutrünstigen Handlung, dass der Film in Deutschland nur in einer gekürzten Fassung gezeigt werden durfte. Ein Vierteljahrhundert später, zum Verdi-Jubiläum, bekam der Altmeister des Genres im piemontesischen Novara Gelegenheit, mit eben diesem «Macbeth» sein spätes Operndebüt zu absolvieren. Auch bei dieser Gelegenheit fließt viel (Theater-)Blut.
Der Mord an Duncan wird gezeigt, der an Banco ebenso ausgeschlachtet wie am Ende der Tod von Macbeth – ihm wird der Kopf abgeschlagen. Im Grunde freillich nähert sich Argento dem Nationalheiligtum Verdi mit großem Respekt: An keiner Stelle weicht er vom Stück ab, hält sich in den Arrangements der großen Tableaus ganz an die Operntradition, setzt nur da und dort kleine Akzente. So bereits in der Introduktion, wo drei nackte Ausdruckstänzerinnen die drei Hexen mimen, während folkloristisch bunt gekleidete Hausfrauen die Gesangsparts übernehmen.
Überzeugend werden die beiden Protagonisten geführt. Sie lassen oft vergessen, dass sie große Oper singen. Dimitra Theodossiou ist eine fulminante Lady, stimmlich wie ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Ekkehard Pluta
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