Zweifelnde Helden
So ganz weg war er nie. Selbst als noch kein Mensch den Barock-Boom vorausahnen konnte, der die Klassikszene erfassen sollte, gehörte Giovanni Battista Pergolesi zu den Komponisten, deren Werke auf Bühnen und Konzertpodien gespielt wurden. Das komische Intermezzo «La serva padrona» war in alten Opernführern lange das einzige Stück, das die Zeitspanne zwischen Monteverdi und Mozart abdeckte, das «Stabat Mater» als sakrales Meisterwerk ohnehin nie ganz aus dem kollektiven Bewusstsein verschwunden.
Schließlich gab es da auch noch Strawinskys erfolgreiche Pergolesi-Verwurstung «Pulcinella», die den melodischen Einfallsreichtum des 1710 geborenen Italieners bewies. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet die Renaissance der Barockoper bislang unter Ausschluss der großen Bühnenwerke Pergolesis stattfand – obwohl sich schon die Zeitgenossen darüber einig waren, dass die Neuerungen des bereits mit 26 Jahren Verstorbenen in der Königsdisziplin der Opera seria mindestens ebenso bedeutend waren wie sein komisches Talent.
Vor allem die «Olimpiade» auf ein Libretto Metastasios wurde bald nach ihrer gefloppten Uraufführung 1733 zum Modellstück für einen neuen Operntypus, der nicht nur dem Gesang in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es ist ein starkes Bild, das haften bleibt: Ein schier nicht enden wollender Menschenstrom hastet an einer riesigen Uhr vorbei, deren Zeiger sich viel zu schnell und rückwärts drehen. Wo sind wir? Was bedeutet das? Die Szene steht beispielhaft für das, was sich in den 18 Szenen mit Prolog und Epilog von Michael Obsts Stück «Die andere Seite» abspielt. Rund 100...
Das Bedürfnis, die menschliche Stimme terminologisch in verschiedene Register einzuteilen, rührt daher, dass bei einer Stimme, die über mehrere Oktaven geführt wird, verschiedene Bereiche akustisch zu unterscheiden sind, besonders deutlich bei unausgebildeten Stimmen. Schon im mittelalterlichen Musikschrifttum findet man Hinweise auf eine Dreiteilung der «vox...
Für ihren Amtsantritt als Intendantin der Sächsischen Staatsoper wählte Ulrike Hessler den Hausgott Richard Strauss. Doch weder der in Dresden uraufgeführte «Rosenkavalier» noch eine «Elektra» wurde es, sondern sein vielleicht am wenigsten prominentes Bühnenwerk: «Daphne». Deren Uraufführung am 15. Oktober 1938 geriet nach Zeitzeugenberichten für den Komponisten zu...
