Präziser Klang, pubertäre Szene
Elf Jahre lang war Hermann Bäumer Posaunist bei den Berliner Philharmonikern, bevor er diese sichere Stellung verließ, um als Dirigent von Jugendorchestern und als GMD in Osnabrück ein neues Leben anzufangen. Ein Aussteiger, der den event- und profitgeilen Klassikmarkt getauscht hat für ein konzentriertes Arbeiten an der Musik selbst – und dafür in die Provinz ging. Osnabrück hat durch ihn wieder einen guten Klang (im Doppelsinn des Wortes). Seit Beginn der Spielzeit 2011/12 ist Bäumer GMD in Mainz.
Sein Einstand mit «Tristan und Isolde» war ein Lehrstück klug disponierender Orchesterarbeit. Kleine Streicherbesetzung, genau austariert die Solo- und Chorfunktion der Holzbläser, dynamisch flexibel das Blech. Wagners «Tristan» nicht als üppige Ikone der (unsinnigerweise so genannten) Spätromantik, sondern als Stück aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das die Kenntnis von Beethoven, Bellini, Berlioz und Weber nicht leugnet und doch völlig eigene Wege geht. Sein Vorstoß in die Moderne wird dadurch nicht weniger, sondern deutlicher hörbar. Zudem orientieren sich Bäumers Tempi stets an semantischen Zusammenhängen, meist also am natürlichen Sprechtempo der Figuren (darin Wagners vielfach ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Stephan Mösch
Am 18. Februar 2012 wird es zehn Jahre her sein, dass sich auf der Bühne der Met eine «Audrey Hepburn mit Stimme» vorstellte: die damals 31-jährige Anna Netrebko in der Rolle der Natascha in Sergej Prokofjews «Krieg und Frieden». Zur Vorfeier dieses «Jubiläums» präsentiert sich die schöne Russin, inzwischen unter den Berühmten die Berühmteste, mit einem Album «Live...
Als die vormals Städtische Oper Berlin, nunmehr in Deutsche Oper umbenannt, vor einem halben Jahrhundert in ihr neues Haus an der Bismarckstraße einzog, war das nicht nur ein herausragendes kulturelles, sondern auch ein politisches Ereignis. Wenige Wochen zuvor war die Mauer gebaut worden, dem Westberliner Opernhaus entstand daraus eine zusätzliche Verpflichtung:...
Viel Platz ist nicht im Graben des Hallenser Opernhauses. Und hier Wagner? Ja, denn dieser «Ring» ist eine Herzensangelegenheit von Karl-Heinz Steffens, Chefdirigent sowohl in Halle als auch in Ludwigshafen. Dass auch hier Großes entstehen kann, will Steffens zeigen. Und er löst sein Versprechen ein. Der Klang dieser «Walküre» ist von wundersamer Präsenz. Auf zwei...
