Grabensprünge

Vladimir Jurowski und Ulf Schirmer mit beherztem Strauss-Zugriff: «Ariadne auf Naxos» aus Glyndebourne und «Intermezzo» aus Garmisch

Opernwelt - Logo

Der eine ist gewissermaßen der legitime Genius Loci. Ein bisschen eingeklemmt zwischen Wank, Kramer und Wettersteingebirge, ein Talkessel mit hohen Tellerrändern, wo sich’s für Richard Strauss, dem immer mehr die Realität Negierenden, naturgemäß gut existieren ließ. Auch der andere Ort versteht sich, wie Garmisch-Partenkirchen mit seinem Komponisten-Festival, als Hort der Strauss-Pflege und hat den Bayern immerhin eines voraus: eine mehr als akzeptable Spielstätte. Seit Jahrzehnten gehört in Glyndebourne die «Ariadne auf Naxos» zum Inventar.

Und die aktuelle, festgehalten auf DVD, unternimmt erfolgreich einen der unzähligen Kittversuche: Wie Vorspiel und «Oper» zusammenbringen? Wie Kontinuität erzeugen, wo ein dramaturgisch kaum zu überbrückender Graben klafft?

Regisseurin Katharina Thoma (siehe OW 7/2013) lässt dazu Bomben abwerfen: Am Ende des ersten Teils, hier auf John Christies Landsitz anno 1940 spielend, greifen deutsche Flugzeuge an. Ein paar Monate später, das Haus ist nun Lazarett, tastet sich die des Daseins müde Primadonna suizidgefährdet ins Leben und in die Liebe zurück. Auch Zerbinetta, von Laura Claycomb etwas herb gesungen, hat der Krieg ver-rückt, während des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Herbstzeitlose

Ein kühler Herbstbeginn in Österreichs Metropole. Passend dazu Tschaikowskys «Charodeyka» («Die Zauberin») im Theater an der Wien. Schon das Vorspiel dieses Werks tauscht die scharfkantige Helle des Sommers ein gegen ein trüberes Licht, das bereits die Kürze der Wintertage in sich trägt. Und deren Schwermut. Der Lebensfreude, die der Chor zu Beginn des ersten Akts...

Zerbrechlich wie die Liebe

Bei Monteverdi tastet sich Orfeo mit singendem Sprechen ins Jenseits. Er beklagt den Tod seiner geliebten Euri­dice, gewinnt sie, verliert sie wieder und wird vom Sonnengott Apollo in den Himmel erhoben, wo er seine Angebetete künftig als Sternbild bewundern kann. Monteverdi beglaubigt den alten Mythos durch eine frische, authentische Kunstform – die Oper ist...

Schein des Lebens, das nicht ist

Zwei prominente Urteile über Richard Strauss gibt es, die widersprüchlicher kaum sein könnten. Er sei «ein so fabelhaft unraffinierter Mensch», meinte sein Librettist Hugo von Hofmannsthal 1909 über ihn in einem Brief an Harry Graf Kessler, und habe «eine fürchterliche Tendenz zum Trivialen, Kitschigen in sich». Gut zwei Jahrzehnte später schrieb der nächste...