Wirr ist das Volk
Ein Montagabend in Dresden, halb sieben. Vom Zwinger, vom Kempinski, von der Hofkirche her schieben sich Menschen auf den Platz vor der Semperoper. Über der Menge wehen Fahnen. Schwarz-Rot-Gold, Adler. Ortsschilder und Spruchbänder werden hochgehalten. Einige grimmig dreinblickende Glatzen stehen herum, doch die meisten sehen ganz normal aus. 17 500 Demonstranten versammeln sich nach und nach, skandieren «Lügenpresse!» und «Wir sind das Volk» («Wirr ist das Volk», witzelt man in der Gegendemo.
) Am Montag nach dem Anschlag auf die Pariser Redaktion von «Charlie Hebdo» im Januar werden es 25 000 sein. Menschen, die sich und ihren Unmut im vagen Positionspapier der selbsternannten «Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» irgendwie wiederfinden. Die verlangen, dass man «endlich mal Klartext reden darf», die gegen «aufgezwungene Toleranz» wettern, gegen die «Überfremdung» ihrer Städte und «Wirtschaftsflüchtlinge». Zur Oper kommt man kaum durch. In der Dunkelheit vor dem Vorverkaufspavillon und dem versperrten Haupteingang der Oper haben sich Einlasser postiert, die versuchen, im Gedränge verirrte Operngäste auszuspähen und diskret zu den Seiteneingängen zu ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Wiebke Roloff
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