Angeschnitten
Ein Torso. Die Geschichte eingedampft. Der Mythos gerupft. Zugespitzt, radikal kenntlich gemacht, sagen die Autoren. Für einen wie Ödipus kann es kein Erbarmen geben, keine Heilung und keine Himmelfahrt. Für einen, der, von verborgenen Mächten getrieben, den Vater tötet und die Mutter ehelicht, kann es nur die Erkenntnis geben, dass die Welt finster ist und der Olymp leer. Schuldlos mit Schuld beladen, blind vor Entsetzen tritt er ab, der tragische Held. Von Kreon gedrängt, von Antigone geleitet. Aus den Augenhöhlen rinnt Theaterblut, aufs blütenweiße Hemd und den lichtblauen Anzug.
Nach dem dritten Akt ist Schluss mit «Oedipe», George Enescus zwischen symphonischem Pathos und kammermusikalischer Fragilität irrlichternder Tragédie lyrique. Der lyrische Epilog, in dem Enescu und sein Librettist Edmond Fleg – frei nach Sophokles’ Drama «Ödipus auf Kolonos» – von Alter und Erlösungstod des Geschlagenen berichten, wurde gestrichen. Auch in den vorausgehenden drei Akten fehlt manches – die Geburtsszene ist gerafft, der Mord an Laios (zweiter Akt, zweites Bild) zum Appendix des großen Fiebermonologs geschrumpft, in dem Ödipus die Götter verflucht.
Hans Neuenfels und sein Dramaturg ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Albrecht Thiemann
Der Brief, den Francis Poulenc 1958 zu «La Voix humaine» an Hervé Dugardin c/o Ricordi Paris sandte und den Benjamin Ivry in seiner Biografie des Komponisten zitiert, ist keinesfalls jugendfrei. Die Musik, schreibt Poulenc, sei an manchen Stellen «unglaublich erotisch, sie riecht nach Sperma, nach zwischen den Schenkeln». Und die Protagonistin, «Elle», sei im...
Der erste Eindruck: Da hat einer ganz genau hingeschaut. Aus nächster Nähe. An jedem Augenaufschlag, jedem Tonfall, jedem Fingerzeig gefeilt, bis nichts mehr zu sehen war von der Anstrengung, der Konzentration, ohne die es keine Wahrhaftigkeit gibt im Spiel auf der Bühne. Und: Da hat einer ganz genau hingehört. Sich tief in die Noten versenkt. In das Farbflimmern,...
Auf der Suche nach einem Ehemann gönnen sich die Mädchen von heute vorher einen Probelauf», bemerkt Delfa. «Bezaubernd ökonomisch ist das, und ausgebufft...» Dass die Delfa in der «Giasone»-Produktion der australischen Pinchgut Opera eine nicht mehr ganz taufrische Drag Queen ist, sorgte bei einigen Zuschauern für Unmut.
Das war auch schon bei den selbsternannten...
