Angeschnitten

Alexander Liebreich und Hans Neuenfels machen sich in Frankfurt an George Enescus «Oedipe» zu schaffen

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Ein Torso. Die Geschichte eingedampft. Der Mythos gerupft. Zugespitzt, radikal kenntlich gemacht, sagen die Autoren. Für einen wie Ödipus kann es kein Erbarmen geben, keine Heilung und keine Himmelfahrt. Für einen, der, von verborgenen Mächten getrieben, den Vater tötet und die Mutter ehelicht, kann es nur die Erkenntnis geben, dass die Welt finster ist und der Olymp leer. Schuldlos mit Schuld beladen, blind vor Entsetzen tritt er ab, der tragische Held. Von Kreon gedrängt, von Antigone geleitet. Aus den Augenhöhlen rinnt Theaterblut, aufs blütenweiße Hemd und den lichtblauen Anzug.

Nach dem dritten Akt ist Schluss mit «Oedipe», George Enescus zwischen symphonischem Pathos und kammermusikalischer Fragilität irrlichternder Tragédie lyrique. Der lyrische Epilog, in dem Enescu und sein Librettist Edmond Fleg – frei nach Sophokles’ Drama «Ödipus auf Kolonos» – von Alter und Erlösungstod des Geschlagenen berichten, wurde gestrichen. Auch in den vorausgehenden drei Akten fehlt manches – die Geburtsszene ist gerafft, der Mord an Laios (zweiter Akt, zweites Bild) zum Appendix des großen Fiebermonologs geschrumpft, in dem Ödipus die Götter verflucht.   

Hans Neuenfels und sein Dramaturg ...

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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Albrecht Thiemann

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