Die Regeln des Spielmanns
Das Etikett des Wagner-Epigonen heftete ihm bereits die zeitgenössische Kritik ans Revers. Und ganz unlieb war Max von Schillings (1868-1933) diese Bezeichnung wohl nicht, verstand er sich selbst doch als ernsthaften Nachahmer – wenn nicht Nachfolger – des Bayreuther Hügelherrn. In seiner zweiten, 1899 uraufgeführten Oper «Der Pfeifertag», einem «Spielmannsscherz in drei Aufzügen» (und mit etlichen Längen), ist von Wagner jedoch nicht allzu viel zu spüren.
Schillings verwendet zwar Leitmotive, allerdings in sehr reduzierter Form, zuweilen sind es nur ein paar wiederkehrende Takte, die eher auf die Erzeugung von Stimmungen denn auf die Charakterisierung oder Wiedererkennbarkeit von Figuren abheben. Ein wirklicher Personalstil ist dem «Pfeifertag» nicht abzulauschen, große, teils zähflüssige Symphonik wechselt mit schönen, spätromantisch angelegten Kantilenen. Durchaus effektvoll ist der Einsatz der heute fast nie mehr zu hörenden Violotta, einer Tenor-Geige, die optisch einem kleinen Cello ähnelt.
Inhaltlich orientiert sich die Oper an den «Meistersingern», inklusive der szenisch-musikalischen Sängerschlacht auf einer festlichen Wiese. Im Zentrum steht Ruhmland, der vom reichen ...
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