Akustische Bühne
Dass Orffs Version von Sophokles’ Trauerspiel «Oedipus» in der Übersetzung Friedrich Hölderlins einen spannenden Theaterabend trägt, hat eindrucksvoll John Dews Darmstädter Inszenierung bewiesen, die inzwischen auch auf DVD vorliegt (siehe OW 1/2007 bzw. 12/2011).
Die asketische Reduktion des Werks, dem man bei seiner Stuttgarter Uraufführung 1959 Mangel an musikalischer Substanz vorwarf, kann auch beim bloßen Hören fesseln – das ist die überraschende Erfahrung einer 1961 vom NDR unter der Leitung des kurz danach verstorbenen Winfried Zillig aufgenommenen Funkproduktion, die jetzt – wohl hauptsächlich dank der Mitwirkung von Martha Mödl – erstmals auf CD vorliegt. Dabei ist Mödl die Einzige, die mit überzogen theatralischem Pathos aus der verinnerlichten Konzentration des Spiels auf das Wort ausbricht. Zillig und die übrigen Mitwirkenden – allen voran Helmut Melchert in der Titelrolle – orientieren sich weniger an der Oper als an der akustischen Bühne des Hörspiels. Allein schon der starke Anteil des gesprochenen und nicht durch Rhythmus und Klang überhöhten Worts in Orffs Einrichtung rechtfertigt dies Vorgehen, das zu einer Differenzierung der Artikulation gerade auch in den ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Uwe Schweikert
Wenn Nacherzähler an Arthur Schnitzlers rätselreicher «Traumnovelle» scheitern, wundert sich niemand mehr: Eine erste Verfilmung (1969 von Regisseur Wolfgang Glück) hat nicht einmal in der Biografie des Hauptdarstellers Karlheinz Böhm tiefere Spuren hinterlassen. Und wenn selbst ein Stanley Kubrik (in «Eyes Wide Shut», 1999) dem Stoff und seiner Doppelbödigkeit...
54. Jahrgang, Nr 4
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag - Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752254
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61, 10719 Berlin
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 11.03.2013
Redaktion:
Stephan Mösch (V. i. S. d. P.)
Albrecht...
Spartanische Holzpaletten, ein verendeter Schwan mit ölverklebtem Gefieder. Videoprojektionsflächen, darauf als blau-weißes Aquarell der Himmel über dem Meer, wie Emil Nolde ihn gemalt haben könnte. Ein Scheinwerfer lässt warnend seinen Strahl durch den Saal kreisen und weist sich so als Leuchtturm aus. Damit ist die Hafenatmosphäre hinreichend skizziert, es kann...
