Minimalistisch
In Tommaso Traettas 1772 in Sankt Petersburg uraufgeführter tragedia per musica «Antigona» bringt der Librettist Marco Coltellini all das auf die Bühne, was in Sophokles’ Drama nur berichtet wird: den Tod der beiden um die Herrschaft in Theben streitenden Zwillingsbrüder Eteokles und Polynikes im Zweikampf; die von Kreon verbotene Bestattung des Aufrührers Polynikes durch dessen Schwester Antigone; schließlich die Einmauerung der wegen ihrer Widersetzlichkeit zum Tod Verurteilten in eine Felsenhöhle.
Für Traetta, einen Opernreformer noch vor Gluck, bildete das die Steilvorlage zu einem musikalischen Drama, das mit Chören, Tänzen, Accompagnati, Ariosi, Duetten und Ensembleszenen in fließenden Übergängen gleichsam durchkomponiert ist. Bis zur ersten Arie vergehen 20 Minuten – und sie sind, wie später vor allem die große Ombra-Szene, musikalisch höchst spannungsvoll.
Floris Visser hat die selten aufgeführte Oper im Einheitsbühnenbild Dieuweke van Reijs – ein geschlossener, beige gekalkter, nackter Raum mit einem mächtigen Mittelportal und einem Riss in der Mauer – jetzt in Osnabrück herausgebracht. Die Kostüme – die Soldaten in khakifarbenen Uniformen, die ländliche Bevölkerung in ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Uwe Schweikert
Die Kombination so reizvoll wie plausibel. Sowohl in Luigi Dallapiccolas «Il Prigioniero» von 1948 als auch in Wolfgang Rihms Einakter «Das Gehege» – der noch 2006, bei der Münchner Uraufführung, mit Strauss’ «Salome» verkoppelt wurde (siehe OW 12/2006), spielt das Gefangensein, eine Folter namens Hoffnung, die zentrale Rolle. Hier der Mann: Seit einer halben...
Nur einem von Emil Nikolaus von Rezniceks 25 Bühnenwerken war ein durchschlagender Erfolg beschieden – der 1894 uraufgeführten «Donna Diana». Auf den Spielplänen sucht man die Oper zwar immer noch vergebens, aber ihre spritzig-eingängige Ouvertüre überlebte im Konzertsaal und ist vermutlich älteren Semestern noch im Ohr als Markenzeichen des ZDF-Musikquiz’...
«Idomeneo». Wer genug Jahre auf dem Buckel hat und damals dabei war, schaltet schnell: Zürich, 1. März 1980, der Coup in der Werkgeschichte. Nikolaus Harnoncourt dirigierte, Jean-Pierre Ponnelle visualisierte Mozarts Oper. Die Musik riss Abgründe auf. Das Wort «aufregend» ist keine Umschreibung für die elementare Wirkung. Die Interpretation legte den Grundstein für...
