Barockbühne für die Avantgarde
In Herrenhausen befindet sich der älteste in originaler Gestalt erhaltene Barockgarten Deutschlands. Am Kopf der geometrischen Anlage wurde soeben das alte Schloss der Welfen wieder aufgebaut, allerdings nur äußerlich, denn innen befinden sich ein modernes Konferenzzentrum und ein Museum, das Herrenhausens glanzvollste Zeiten reflektiert. Das üppig barocke Galeriegebäude und die alte Orangerie eignen sich als Bühnen ebenso gut wie der Garten selbst mit seinem historischen Heckentheater.
Man würde spontan vermuten, dass die Kunstfestspiele Herrenhausen getreu diesem Ambiente Alte Musik und barocke Opern präsentieren. Seit jedoch Elisabeth Schweeger vor vier Jahren die Intendanz des in dieser Form neu gegründeten Festivals übernommen hat, bieten die Kunstfestspiele so ziemlich das Gegenteil vom Erwartbaren: nämlich Experimente und interdisziplinäre Projekte zwischen Musiktheater, Performance, Konzert, Installation und bildender Kunst.
Im Grunde ist Herrenhausen ein Avantgarde-Festival, das beharrlich auf Spitzenkultur setzt und auch den Geruch des Elitären, Abseitigen nicht scheut. Genau das ist politisch (einstweilen noch) gewollt, obwohl bereits diskutiert wird über hohe Zuschüsse ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Regine Müller
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