Komikfreie Zone
Seltsamer Fall: Auf der Jahrespressekonferenz der Komischen Oper Berlin war Intendant Andreas Homoki gefragt worden, was ihn geritten habe, ausgerechnet den prononcierten Dekonstrukteur Sebastian Baumgarten mit der Neuinszenierung des Singspiels «Im Weißen Rössl» von Ralph Benatzky zu betrauen. Prompt wurde Baumgarten zahm. Die gut aufgenommene Premiere ist nicht die schlechteste Aufführung des Hauses. Mit Dagmar Manzel hat man einen veritablen Theater-Star.
Mit der Erik Charell-Fassung der Uraufführung von 1930 einen erheblichen Wiederentdeckungswert (die Urfassung wurde erst 2009 in Zagreb aufgefunden und an der Dresdner Staatsoperette erstmals wiederaufgeführt). Die Schwäche der Produktion freilich macht dem Ganzen fast schon wieder den Garaus: Mit mehr als dreieinhalb Stunden Aufführungsdauer erstickt man zwar nicht an Amüsement, aber doch an mangelndem Timing und zu vielen guten Absichten.
Immerhin: resche Dirndl, Jodel- und Kalauer-Einlagen satt! Auf der Klappfassade seines Gasthauses am Wolfgangsee hat Baumgarten eine Devise ausschreiben lassen: «Denn man sieht allmählich ein / man muss hübsch bescheiden sein». Grundübel dennoch: die völlige Humorlosigkeit der Aufführung. In ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Kai Luehrs-Kaiser
Die französische Übersetzung des deutschen Titels klingt ungemein pompös: «Grandeur et Décadence de la ville de Mahagonny». Grandeur, Décadence, man könnte denken, es handle sich um den Untergang eines Adelsgeschlechts oder das Ende des napoleonischen Staates. Stimmt aber nicht. Am Théâtre du Capitol in Toulouse ist das bekannte Stück von Brecht und Weill zu sehen,...
Unser Stimmklang wird durch die perfekte Koordination von Atmungs-, Kehlkopf- und Artikulationsbewegungen erzeugt, Bewegungen, die zu den komplexesten gehören, zu denen der Mensch fähig ist. Und doch hat die Tonproduktion ein physiologisches Zentrum, das oft mit der gesamten Stimme gleichgesetzt wird: die Stimmbänder, die physiologisch zutreffender eigentlich...
Der ganze Körper zittert, bebt, vibriert: Brünnhilde platzt förmlich vor Energie bei ihrem ersten Auftritt. Mit lässigem Behagen prostet ihr Wotan zu, noch in sektlauniger Rückschau auf seine frisch gepaarten Wälsungenkinder befangen. Vorher hatte Sieglinde Siegmund den Wassertrunk aus ihren eigenen Händen gegeben. Der brüderliche Fremde schlürfte sie derart aus,...
