Schritte ins Unsichere
Adriana Hölszky zählt heute zu den innovativsten, profiliertesten Komponistinnen der Gegenwart – umso mehr, als sie sich, anders als so manche prominenten Zeitgenossen, nicht vom Projekt der Moderne verabschiedet hat. Aus Anlass ihres 60. Geburtstags sind 2013 zwei Veröffentlichungen erschienen, die Annäherungen an die gleichermaßen komplexen wie weitverzweigten Klangwelten ihrer Musik unternehmen.
Maria Kostakeva hat dabei das grundlegendere Buch geschrieben, dafür liefern die überwiegend den Musiktheaterarbeiten Hölszkys gewidmeten Aufsätze des «Musik-Konzepte»-Bandes die eindringlicheren Einzelanalysen.
Kostakevas Ausgangs- und Brennpunkt ist «die besondere Klangexpressivität» der Musik Hölszkys, die sie als «Spiegelung von Naturprozessen» interpretiert: «Die Transformationen der ursprünglichen Klangsubstanz und die damit entstehenden Turbulenzen, Explosionen und neue Formung weisen auf die gleichzeitige Anwesenheit von strukturierenden und chaotischen Prozessen in den musikalischen Strukturen.» Im auskomponierten Wechsel von Katastrophe und Ordnung, Konstruktion und Dekonstruktion, Explosion und Stille, von Brüchen und Wucherungen sieht Kostakeva den Grund für die äußerste ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Uwe Schweikert
Vorbei sind die Zeiten, in denen einst klingende Namen wie Antonio Caldara und Leonardo Vinci allenfalls einigen Spezialisten oder besonders leidenschaftlichen Liebhabern der Barockoper vertraut waren. Vor einigen Jahren hat etwa Philippe Jaroussky mit seinem Album «Caldara in Vienna» nachdrücklich auf den großen Wiener Hofkomponisten des frühen 18. Jahrhunderts...
Nach dem grandiosen «Nixon in China» im Jahr 2012 und dem eher wackligen «I Was Looking at the Ceiling and Then I Saw the Sky» im Jahr 2013 setzt das Pariser Théâtre du Châtelet seinen John-Adams-Zyklus fort: mit der französischen Erstaufführung von «A Flowering Tree», der bislang letzten, 2006 in Wien uraufgeführten Oper des amerikanischen Komponisten. Den...
Die Neuinszenierung von Frank Hilbrich bestätigt es: Die scheinbar leichte, heute etwas bemüht-brillant wirkende «Jazz-Oper» von 1927 ist nicht leicht zu realisieren. Mit ihr huldigte der blutjunge Avantgardist Ernst Krenek dem Zeitgeist der Goldenen Zwanziger – der Wagnerismus, dem noch Strauss und Schreker mit ihren lyrischen Musikdramen beseelt gefolgt waren,...
