Alle gegen alle
Das Händel-Fieber hat sich nach dem Ende der Ära Sir Peter Jonas gerade etwas abgekühlt, da erhitzen sich in München die Gemüter erneut – bei einer Oper seines vornehmlich in Hamburg wirkenden Zeitgenossen Reinhard Keiser.
Freilich nicht im Nationaltheater, sondern als Produktion der Bayerischen Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater: Bei der Premiere hagelte es nach einer angedeuteten Penetration auf offener Bühne Buhrufe, ein erboster Zwischenrufer störte eine Folgevorstellung, und die Leitung eines kleinstädtischen Theaters sagte ein bereits vertraglich vereinbartes Gastspiel ab. Begründung: «die freizügige bis pornografische und überaus gewaltbefrachtete Umsetzung des Stoffes, die wir guten Gewissens unserem überwiegend aus Abonnement-Kunden bestehenden Publikum nicht zumuten können und wollen».
Klaus Zehelein, bis letzten Sommer Intendant in Stuttgart und jetzt Präsident der Theaterakademie, mag sich angesichts solcher Reaktionen verwundert die Augen gerieben haben, war ihm doch selbst bei den kühnsten Erzeugnissen des Regietheater in Baden-Württembergs Kapitale derlei nicht untergekommen. Dort hatte er Tilman Knabe schon erfolgreich mit Keisers ...
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Zuerst einmal sei von Nestroy die Rede, den die Wiener so lieben, von «Einen Jux will er sich machen», vom «Zerrissenen». Oder von «Freiheit in Krähwinkel». Vielleicht auch vom «Bösen Geist Lumpazivagabundus». Denn zwischen den Assoziationen, die diese Titel auslösen, pendelt die Posse, die im Moment in Wien um den Staatsoperndirektor aufgeführt wird. Wer kommt...
Athens Megaron ist nicht irgendein Ort, um «Elektra» zu spielen. Das historische Mykene liegt nur eineinhalb Autostunden entfernt. Wenn die Mythe nicht lügt (was sie laut Ernst Bloch gern tut), dann kann man sich dort das Badezimmer vorstellen, in dem Agamemnons Schädel gespalten wurde – von seiner Frau. Hügelabwärts liegen die Tholosgräber der Atridensippschaft....
Che l’oratione sia padrona dell’armonia e non serva» – diese Forderung Claudio Monteverdis nach Sinnvermittlung stand als das erste Gebot des Gesangs am Beginn der Oper. Die Forderung ist von vielen Komponisten aufgenommen und paraphrasiert worden. Nach bitteren Theatererfahrungen mit sinnlos übersetzten oder nach Sängerlaune entstellten Texten schrieb Richard...
