Zeichenhafte Klarheit
Seit ihrer Entdeckung vor gut einem Jahrzehnt hat Zemlinskys Oper «Der König Kandaules» in der Rekonstruktion von Anthony Beaumont eine bemerkenswerte Karriere an überwiegend großen Häusern gemacht. Das experimentierfreudige Pfalztheater in Kaiserslautern demonstriert nun, dass auch ein kleines Haus sein Repertoire mit dem späten Meisterwerk des Wiener Komponisten erfolgreich erweitern kann.
Die Inszenierung von Henry Arnold betont das Zeichenhafte in der Geschichte vom König, der die unsagbare Schönheit seiner Frau nur genießen kann, wenn auch andere daran teilhaben.
Thomas Dörflers Bühne mit ihrer ovalen Öffnung und dem an eine Felsengrotte erinnernden Hintergrund schafft einen mystischen Raum, in dem eine skurril-kafkaeske Hofgesellschaft und der Morbidezza ausstrahlende König aufeinander treffen.
Verhandelt wird die Frage, ob Glück voraussetzt, dass man es am Urteil anderer messen kann. Kandaules geht dabei so weit, seine geliebte Nyssia unter Nutzung eines unsichtbar machenden Rings dem Fischer Gyges zuzuführen, nachdem er sie bereits vor seinen Höflingen gegen ihren Willen entschleiert hat.
Das Experiment endet tödlich: Die getäuschte Nyssia schwärmt ihrem Gemahl von der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dass Musik das Herz ergreift, den Atem raubt, zu Tränen rührt – solchen Formulierungen haftet schnell der Ruch des Klischees, des Kitsches, des Sentimentalen an. Und die Vorbehalte gegen eine Rhetorik der Gefühlsemphase haben gute Gründe. Zum einen, weil diese Emphase von der Werbung vereinnahmt und dort zur Absatzförderung eingesetzt wird. Zum anderen, weil...
Elbflorenz. Das ist natürlich ein Wunschbild, eine Projektion. Aber doch auch ein Stück Realität. Allen Verletzungen, allen Beschädigungen zum Trotz. Wer heute nach Dresden reist, findet sich in einer wunderschönen Stadt. Vielleicht ist Dresden unter allen an einem Strom gelegenen deutschen Städten die majestätischste. Die Zerstörung vom Februar 1945 merkt man ihr...
Abstieg – das wäre denn doch eine zu krasse Aburteilung. Gleichwohl, das erzählfreudige Fantasy-Niveau des «Rheingold», die wenigstens zum Teil bezwingende Emotionalität der «Walküre» hält «Der Ring des Nibelungen» an der elsässischen Opéra national du Rhin im «Siegfried» nicht. Zu sehr verfängt Regisseur David McVicar sich in seiner – nach wie vor betont...
