Mit aller Gewalt
Die Wiederentdeckung der Grand Opéra und ihres wichtigsten Vertreters Giacomo Meyerbeer auf der Opernbühne geht voran. Da konnte es nicht ausbleiben, dass mit Gaspare Spontini auch einer seiner Wegbereiter in den Fokus des Interesses gerät. Der gebürtige Italiener und naturalisierte Franzose war, als Hofkomponist Napoleons und langjähriger Berliner Generalmusikdirektor, eine künstlerische Weltmacht.
Gelegentlich begegnet man seiner in der Gluck-Nachfolge stehenden «Vestalin», für die sich nach Maria Callas vor allem Riccardo Muti engagiert hat, kaum je seinen beiden anderen klassizistischen Pariser Opern «Fernand Cortez» und «L’Olimpie». Geradezu ein Gerücht ist die «große historisch-romantische Oper» «Agnes von Hohenstaufen», deren Wiederaufführung der Bach-Biograf Philipp Spitta schon 1892 mit Nachdruck forderte und die immerhin seit 2001 im Druck vorliegt. Jetzt hat Erfurt die monumentale Festoper erstmals seit 1840 wieder im deutschsprachigen Original samt der verloren geglaubten Ouvertüre präsentiert.
Glücklich machte das Ereignis nicht. Das liegt zunächst einmal am Werk, seiner wirren Handlung, den holprigen Versen und dem plakativen Optimismus einer rückwärtsgewandten ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert
Der Klang schleicht sich samtpfotig heran, ist kaum mehr als ein Säuseln im Wind – man muss die Ohren spitzen, will man hören, wie die Pauke in Kundrys Heilands-Erzählung auf dem Wort «gequält» tief unten, beim f, einsetzt und jenen triolisch pochenden Rhythmus initiiert, dem auch Klarinette, Englischhorn und Celli folgen, pianissimo espressivo, in kaum merklich...
Italiens 1933 gegründetes Vorzeigefestival kann stolz sein auf seine state of the art-Spielstätte, das Teatro di Maggio. Doch der Preis war hoch für den Multiplex, der einen Hauptsaal (1800 Plätze), eine Konzerthalle (1100) sowie eine Freiluft-Cavea (2000) umfasst. In den sechs Baujahren bis 2014 schossen die Kosten von 80 auf 270 Millionen Euro hoch, wuchs das...
Als Krimi-Autorin Donna Leon und Mezzo-Star Cecilia Bartoli vor einigen Jahren den italienischen Komponisten Agostino Steffani aus dem vermeintlichen Schatten der Geschichte holten, konnten sich die Steffani-Experten in Hannover gelassen zurücklehnen. Hier hatte der Cembalist und Hochschullehrer Lajos Rovatkay schon 1981 die «Capella Agostino Steffani» gegründet,...
