Bayreuth und der Erste Weltkrieg

Als der Kaiser am 1. August 1914 in Berlin zu den Waffen rief, hielt man sich auf dem Grünen Hügel bedeckt. Nicht in Stahlgewittern, sondern an deutscher Kunst und Kultur sollte die Welt genesen

Opernwelt - Logo

Am 22. Juli 1914, einem Mittwoch, wurden die Bayreuther Festspiele mit dem «Fliegenden Holländer» eröffnet. Inszenierung und Bühnenbild stammten von Siegfried Wagner, der auch dirigierte. Für die Festspiele waren noch der «Ring des Nibelungen» unter dem Dirigat von Michael Balling und der «Parsifal» unter Karl Muck geplant. Vorgesehen waren insgesamt 20 Aufführungen. Statt fanden nur acht.

Und selbst die, schrieb Siegfried Wagner später in seinen Erinnerungen, seien nur unter mühevollen Schwierigkeiten zustande gekommen: «Schon während der ‹Ring›-Vorstellungen drangen beunruhigende Gerüchte bis zum Festspielhügel, wo man sonst, wie auf der Insel der Seligen, vermied, von Politik zu sprechen. Nach der ‹Siegfried›-Vorstellung reisten alle ungarischen Gäste ab, bald folgten die österreichischen. Die Reihen im Zuschauerraum begannen sich zu lichten, oder man sah an Stelle der Auswärtigen Bayreuther Einwohner sitzen, bei denen jene ­logiert hatten. Noch immer nicht an Krieg glaubend, versuchten wir weiter zu spielen, bis wirklich die Kriegserklärung das Ende brachte.» Das Ende dauerte dann zehn Jahre, erst 1924 wurden die Festspiele neu eröffnet.

Als der deutsche Kaiser am 1. August in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2014
Rubrik: Essay, Seite 50
von Udo Bermbach

Weitere Beiträge
Kreuchen und Fleuchen

Er brauchte einer nur ins Auge zu schau’n, und schon war er hin. Ein Pan, dieser Leos Janácek, ein homme à femmes, wenngleich seine Altersbeziehung zur jungen Kamila Stösslová vor allem den Briefträger beschäftigte. Auch bei Liska Bystrouska, der gewitzten Füchsin, war Kamila das Vorbild, und im beständigen Denken an sie zeichnete der Komponist musikalisch ein...

Gespenstisch teilnahmslos

In dem Tenorschlager «Nacht überm See» versicherte Fritz Wunderlich einst das Techtelmechtel zwischen den Geschlechtern ­einer kosmischen Komplizenschaft: «Und der alte Mond lächelt weise, und ein Sternlein funkelt: Na, na!». Der Mond von Alabama ist aus diesem Pakt längst ausgestiegen. Absinthgrün und dumm lacht er über der Wüstenstadt Mahagonny. Jim, Jack, Bill...

Neun Tote für alles

Snape Maltings mag von herrlicher Natur umgeben sein – als Spielort für naturalistische Inszenierungen eignet sich die alte Mälzerei, die Benjamin Britten für sein Festival zur Konzerthalle umbauen ließ, eher weniger. Regisseur Neil Bartlett versucht sich daran gar nicht erst. Er lässt die Kulissen von einer neunköpfigen Schlägertruppe umräumen. Hölzerne Stellwände...