Der «Oedipe»-Komplex

Notizen zum Enescu-Festival in Bukarest, das um die einzige Oper seines Namenspatrons kreist

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Wanderer, kommst du an eine Kreuzung, so schlage das Kreuz: Mancher Passant im christlich-orthodoxen Bukarest deutet das Zeichen an, ehe er eine der brachial befahrenen Straßen überquert. Der Wanderer Ödipus konnte in vorchristlicher Zeit nicht danach handeln, und als ihm an einer Weggabelung im Parnass ein Wagen in die Quere kam, erschlug er nichtsahnend dessen Passagier: seinen Vater.

Grausame Götter hatten das Vergehen vorbereitet – wenn es unter den Nachgeborenen einen gab, der mit dem Täter Mitleid hatte, so war das George Enescu: «Ich wollte aus ihm keinen Gott machen, sondern ein Wesen aus Fleisch und Blut wie du und ich.»
Kein Musiker wird in Rumänien so verehrt wie der 1881 im Nordosten des Landes geborene Enescu, dessen Heimatort Liveni heute seinen Namen trägt. Die Fernsehmoderatorin Cristina Chirita ist stolz, eine Urgroßnichte Enescus zu sein – ihm zu Ehren kutschiert sie den deutschen Gast beherzt durch die Bukarester Innenstadt zum Cantacuzino-Palast, wo Enescu mit seiner hochadeligen Gattin lebte. Heute residiert dort der rumänische Komponistenverband, dessen Sprecher Ulpiu Vlad sagt: «Es gibt keinen wichtigen rumänischen Komponisten, der nicht von Enescu beeinflusst ...

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Opernwelt November 2009
Rubrik: magazin, Seite 78
von Olaf Wilhelmer

Vergriffen
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