Auf den Hund gekommen

Alexander Raskatov hat für die Nederlandse Opera in Amsterdam einen Text von Michail Bulgakow vertont: «A Dog’s Heart»

Opernwelt - Logo

Michail Bulgakows Erzählung «Hundeherz» handelt von einem Straßenköter, dem singuläres Glück widerfährt: Er glaubt, das Paradies auf Erden zu erlangen, als ihn Professor Philip Philipowitsch aufsammelt, in seiner Moskauer Wohnung beherbergt und verköstigt. Was dann geschieht, ist nicht mehr geheuer: Der Hund wird für einen medizinischen Versuch missbraucht, die Versuchsanordnung gerät außer Kontrolle. Der italienische Theatermann Cesare Mazzoni arrangierte aus dem 1925 entstandenen Text, in dem sich die Konsolidierung des jungen Sowjet-Regimes spiegelt, 16 Szenen.

Die versah nun Alexander Raskatov mit einem weithin turbulenten Tonsatz. Die neue Hundemusik kann zucken, knurren, winseln, wedeln, bellen und die Zuhörer mit den sprichwörtlichen Hundeaugen der scheinbaren Naivität anblicken.

Das Feeling für Parodie und Groteske könnte Raskatov ererbt haben: Der Vater des 1953 geborenen Komponisten war Redakteur des Moskauer Magazins «Krokodil». Raskatov jr. studierte am Konservatorium der Heimatstadt. Nach dem Examen 1978 holte er sich höhere Weihen bei Tichon Chrennikow, dem mächtigen Ersten Sekretär des Sowjetischen Komponistenverbandes. Das war im Prinzip keine schlechte Voraussetzung ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Frieder Reininghaus

Vergriffen
Weitere Beiträge
Lieb’, Leid – und Freud

Sigmund Freud scheint zur Zeit in Österreich die Rolle des Igels (im bekannten Wettlauf mit dem Hasen) innezuhaben: Wo immer man hinkommt, ist er schon da. Während Claus Guth seine «Tannhäuser»-Exegese an der Wiener Staatsoper in Freud’schen Gefilden ansiedelt, tritt der Psychoanalytiker in der Grazer Produktion von Bellinis «Sonnambula» unter dem Pseudonym Conte...

Sanfter Riese

Noch bevor der erste Ton der neuen «Meistersinger» an der Welsh National Opera (WNO) zu hören war, platziert Richard Jones die Botschaft seiner Inszenierung: Auf dem Vorhang sieht man eine gewaltige, im Sergeant-Pepper-Stil gestaltete Collage mit Porträts deutscher Künstler aus vier Jahrhunderten. Das Spektrum reicht von Bach und Beethoven bis Bausch, Berghaus und...

Carmen und ihre Schwestern

Vorweg: Lassen Sie sich durch das Cover-Foto nicht irre machen! Die lettische Mezzosopranistin Elina Garanca ist anders und besser als ihre PR, die sie offenbar als erotische Ikone für eine männliche Zielgruppe 70+ vermarkten will. Ihr neues Album, das ihre viel gelobte Carmen ins Umfeld spanischer und von Zigeunermelodik inspirierter Musik stellt, weist sie als...