Glitzerlametta
In seiner mit Spannung erwarteten Stuttgarter Inszenierung hat Karsten Wiegand Verdis «Aida», man kann es nicht anders sagen, in den Sand gesetzt. Er ließ sich von Bärbl Hohmann einen goldglänzenden Kasten auf die Bühne wuchten: Antichambre für die wartende Priester- und Hofkamarilla einer totalitären Diktatur, auswegloses Gefängnis für drei junge Menschen – Aida, Radamès und die Pharaonentochter Amneris –, deren persönliches Glück, ja Leben unerbittlich im Schulterschluss von Militär und Religion der Staatsräson zum Opfer fällt.
Statt diesen Raum dramaturgisch zu nutzen, hat Wiegand ihn in den beiden ersten Akten so hemmungslos mit Chor- und Statistenmassen vollgestellt und die Solisten meist bis zur Rampe abgedrängt, dass Verdis packendes Drama in hilflos platter, oratorischer Statik erstarrte. Personenregie war nicht einmal in Ansätzen zu sehen, geschweige dass die zerreißenden Emotionen im Mit- und Gegeneinander der vier Hauptfiguren szenisch ausgetragen werden.
Vollends ins Abseits trudelte die Aufführung mit dem dritten Akt: Die Auseinandersetzung zwischen Aida und ihrem Vater spielte hinter Glitzerlametta. Radamès kam mit Sektpulle von der Siegesparty dazu. Zum letzten Duett ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vor zehn Jahren haben wir die erste «Opernwelt»-CD produziert. Die Reihe, die seitdem entstanden ist, kann sich sehen und vor allem hören lassen – und sie folgt einer Grundidee. Alle diese CDs waren Sängerinnen oder Sängern gewidmet, die von der Plattenindustrie vernachlässigt wurden und wenig Chancen hatten, ihre Kunst und ihr Können für spätere Generationen zu...
Turmhohe Silberhaarperücke, Ballgarderobe, freundliches Lächeln. So stellte man sich Händels Alcina vor, als Joan Sutherland die Rolle mit ihrem Gatten Richard Bonynge am Pult des London Symphony Orchestra auf Schallplatte verewigte. Ein halbes Leben liegt das nun schon zurück, doch noch immer schaut die Alcina der Grand Old Lady des Koloraturgesangs voll...
Das Ende gehört den Opfern. Während das Opernvolk auf der Bühne mit seinen schwarzgläsernen Schutzbrillen noch ganz im Bann der ersten Testzündung der Atombombe verharrt, setzen die letzten Minuten des «Doctor Atomic» zum Sprung durch Zeit und Raum an. Nur die zaghafte Stimme einer Japanerin, die für ihr Kind um ein Glas Wasser bittet, klingt aus den Lautsprechern...
