Vom Graumarkt aufs Silbertablett

Birgit Nilsson in akustisch restaurierten Live-Aufnahmen

Opernwelt - Logo

Ein Gipfeltreffen der besonderen Art: Birgit Nilsson und Leonard Bernstein in ihrer einzigen gemeinsamen Aufnahme. «Fidelio», konzertant in Rom 1970. Dabei war das Ganze eigentlich nur eine Art Generalprobe. Bernstein hatte «Fidelio» bei den Wiener Festwochen des Beethoven-Jahres 1970 zugesagt, aber noch nicht dirigiert. Debüts in prominentem Rahmen waren damals unüblich, sogar verpönt. Also studierte er das Stück im Januar 1970 an der Juilliard-School ein, im März dann in Rom.

Der RAI-Mitschnitt kursierte bislang nur auf dem Graumarkt und gehört nun, technisch bestmöglich restauriert, zu einer Box mit 12 Gesamtaufnahmen, die Sony zum 100. Geburtstag der schwedischen Sopranistin herausbringt. Bernstein – wie Nilsson 1918 geboren – spitzt die Tempi zu, riskiert vor allem extrem langsame Zeitmaße, was von Marzellines Arie bis zum Auftritt des Ministers reicht. Umso schnellere Stretta-Wirkungen sind die Kehrseite. Eine Ekstase aus Extremen. Mit Franz Crass (Rocco), Helen Donath (Marzelline) und Gerhard Unger (Jaquino) sind einige Rollen nahezu ideal besetzt. Die Aufnahme ist aber auch ein schönes Dokument für den auf Platten kaum verewigten rumänischen Tenor Ludovic Spiess, der knapp ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Hingabe ohne Heiligenschein

Der Komponist Mathias Spahlinger ist ein rigoroser Verächter der Postmoderne in einem doppelten Sinn: Künstlerisch lehnt er jede Rückversicherung bei angeblich intakten Traditionen ab, erst recht allfällig wohlfeiles anything goes. In solcher Entschiedenheit steht er Helmut Lachenmann nahe. Außerdem ist er dezidierter Linker, vertraut nicht im mindesten dem juste...

Auf Grund gelaufen

Das Stück berührt immer noch. In der als inszeniertes Konzert angekündigten Aufführung von Henzes Dokumentar-Oratorium «Das Floß der Medusa» in der Bochumer Jahrhunderthalle gerät das Werk allerdings in seichtes Gewässer und läuft, um im Bild zu bleiben, ähnlich spektakulär auf Grund wie die Fregatte «Medusa» 1816 bei dem Versuch, den Senegal für Frankreich...

Kreatives Chaos

Ganz schön ungemütlich, die «Zwischenzeit». Dass ihnen der Wind der Gegenwart so heftig ins Gesicht wehen würde, hatten Stefanie Carp und ihr Team wohl kaum gedacht, als sie das Wort zum programmatischen Motto der Ruhrtriennale erklärten. (Neo-)Kolonialismus, Reichtum und Armut, Migration, Nord-Süd-Konflikt, Nationalismus, Erosion demokratischer Strukturen: Die...