Emotionen ohne Aggressivität

Paul Goodwin dirigiert Händels «Löwenherz»-Oper nach neuer Textedition

Opernwelt - Logo

Das Medium CD wird mehr und mehr ein Medium für Hobbybastler. Wer die Neuaufnahme von Händels «Riccardo Primo» zur Hand nimmt, findet kein Libretto im Booklet, sondern nur den Hinweis, dass sich der Text auf CD 1 im PDF-Format abrufen lasse. Nun denn. Der Ausdruck lässt sich in schmu­cken Ordnern abheften oder aber mühsam mit einer Schere bearbeiten, bis man das Libretto auf CD-Box-Größe gestutzt hat. Das nicht zuletzt ästhetische Vergnügen, Text und Musik zusammen aufzubewahren, wird von den Plattenlabels immer seltener angeboten.


Musikalisch besitzt dieser «Riccardo Primo» ungleich größeren Aufbewahrungswert. Nach der 1996 von Christophe Rousset verantworteten Aufnahme mit den Talens Lyriques hat Paul Goodwin nun mit dem Kammerorchester Basel eine weitere Einspielung des Werkes vorgelegt. Die Oper handelt vom mittelalterlichen Ritter Richard Löwenherz, der in England, wo Händels Werk 1727 uraufgeführt wurde, eine nationale Größe darstellt: «Riccardo» ist Kreuzfahrer im Dienst des Abendlandes, Verschwörer gegen den eigenen Vater und in der Oper die zentrale Figur einer Liebesverkupplungsgeschichte.
Die nun vorliegende Aufnahme folgt erstmals dem Text der neuen Halleschen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2008
Rubrik: CDs, Seite 54
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Scheiden tut gar nicht weh

Es war ein Skandal für die grande famiglia der italienischen Nation: Kürzlich meldeten italienische Tageszeitungen, dass ausgerechnet das Mutterland der katholischen Kirche die höchste Scheidungsrate ganz Europas hat. Gleichwohl wird Paaren die Trennung nicht leicht gemacht, selbst einvernehmliche Scheidungsverfahren können sich ewig hinziehen. Nun gibt ein...

Auf Charons Luxusliner

Frankfurt hat das Puccini-Jahr mit dem in Gänze selten gespielten «Trittico» eingeläutet. Drei Spielarten des Theaters, die grelle Kolportage («Il tabarro»), das sentimentale Rührstück («Suor Angelica») und die freche Burleske («Gianni Schicchi»), greift Puccini hier auf und leuchtet mit den ganz unterschiedlichen Einaktern tief hinein in die Abgründe des...

Schatten der Vergangenheit

Manchmal braucht es eben den Impuls der Obrigkeit. Auch in künstlerischen Dingen. Die Uraufführung von Giovanni Pacinis «Alessandro nell’Indie» am 29. September 1824 in Neapel war ein fades Ereignis, jenseits von Reinfall und Glücksfall. Erst als ­König Ferdinand IV. bei der zweiten Auffüh­rung den Applaus vorgab, entschied sich der Erfolg dieses Werkes. Noch in...