Der Star sitzt im Graben
Ist’s nun eine Hommage an das realistische Musiktheater? Oder doch eher Bühnensymbolismus? Oder wird hier Büchners und Bergs harter Sozialrealismus mehr oder weniger mutwillig gegen den Strich gebürstet? Um es gleich zu sagen: Der «Wozzeck» an der Opéra de Dijon ist ein großer, ein großartiger Abend geworden. Weil die Regisseurin Sandrine Anglade, bekannt für ihre Arbeit mit der eigenen Compagnie und ihre gleichermaßen ausgeprägte Neugier für Oper und Schauspiel, tief in das Stück, in die Musik hineinhört. Sich nicht von Klischees oder Moden leiten lässt.
Der nachhaltige Eindruck der Produktion hat viel mit dem rundum gelungenen Zusammenspiel aller Beteiligten zu tun. Das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg sitzt nun mal nicht alle Tage im Graben. Auch wenn sich viele Opernintendanten das wegen seiner beispiellosen Kompetenz für Zeitgenössisches und die klassische Moderne wünschen dürften.
Sandrine Anglades bewegliche, ästhetisch schlüssige Regie zielt aus Abstraktem ins Konkrete, sie betont die Zeitlosigkeit des Meisterwerks. Tief prägen sich die Bilder ein, die sie mit ihrem kongenialen Bühnenbildner Claude Chestier gefunden hat. Leer ist die Bühne, schwarze ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Alexander Dick
Das Wesentliche lässt sich nicht immer in Worte meißeln, Auslassungen sind auch in der Kunst nicht das Schlechteste. Drei rosa Punkte leuchten an der Fassade des Luzerner Theaters, das mit diesem Signet seinen 175. Geburtstag markiert. Die Pfiffigkeit, mit der gefeiert wird, ist bezeichnend dafür, wie der Intendant Dominique Mentha das Haus auf Vordermann gebracht...
Kaum zu fassen, dass das Publikum der Pariser Opéra Bastille ganze 112 Jahre auf Ernest Chaussons Meisterwerk «Le Roi Arthus» warten musste! Die Oper wurde 1903 am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel uraufgeführt, kam also ein Jahr nach Debussys «Pelléas et Mélisande» heraus – und vier Jahre, nachdem der Komponist mit seinem Fahrrad verunglückt war. Chaussons...
Er ist wieder da. Das erste Mal nach dem Rausschmiss. Dunkelblauer Anzug, offenes Hemd, ein Rotweinglas in der Hand. Wechselt hier ein paar Worte, lächelt dort hinüber, genießt die Blicke, die sich in den Foyers des Volkstheaters auf ihn richten. Blicke der Bewunderung, der Erwartung, der Hoffnung. Kann Sewan Latchinian die von Rostocks Bürgerschaft auf Druck der...
