Editorial
Eine gute, selbst eine gut ausgebildete Stimme macht noch keine Karriere. Heute weniger denn je. Wer auf dem globalen Klassikmarkt wahrgenommen werden will, muss eine Nase fürs Business, für Marketing und PR haben. Er muss bereit sein, sich als Produkt zu vermarkten und vermarkten zu lassen. Das Image, das visuelle Profil wird dabei zum entscheidenden Faktor: Zum Darling der Massenmedien avanciert nur, wer sich deren Regeln unterwirft.
Der «Star»-Rummel um Cecilia Bartoli, Elina Garança oder Anna Netrebko wäre undenkbar, wenn die Damen perfekt gestylte öffentliche Selbstdarstellung verweigerten. Über stimmliche Vorzüge, Bühnenpräsenz oder interpretatorisches Charisma sagen die elegant polierten Gesichter natürlich nichts aus. Nur: Wenn einem die Werbefotos überall entgegenlächeln, entsteht irgendwann ganz von selbst der Eindruck, dass es sich um die Besten der Besten handeln müsse. Viele Plattenläden machen auch gar keinen Versuch, gegenzusteuern: Genauso, wie einzelne Sänger von den Firmen herausgepickt und plötzlich zum Star gehypt werden, so finden sich ihre CDs, Poster und DVDs in den Sonderregalen. Suggeriert wird: Wer in Sachen PR andere schlägt, der schlägt sie auch in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn Intendant Frank Feitler Marktforschung betreiben will, dann geht er in der Pause einer Opernaufführung seines Luxemburger «Grand Théâtre» in die hauseigene Tiefgarage. Dort ballen sich Autos mit D-Kennzeichen. Auf «fast siebzig Prozent» schätzt der Theater-Manager den Anteil der Nicht-Luxemburger, die kommen, um einen Hauch der großen Opernwelt zu erhaschen.
A...
Das kommt vor und leider viel zu selten: dass man ein Stück, das man unzählige Male gehört hat und genau zu kennen glaubt, plötzlich wie zum ersten Mal und ganz neu erlebt. Mir ging es jetzt so mit einem Rundfunk-Mitschnitt des «Trovatore» aus der New Yorker Met von 1947, von dem ich mir allenfalls ein Stimmenfest erwartet hatte. Doch schon nach wenigen Minuten...
Kurz vor den Festtagen gab es eine große Eruption in und um Köln. Es sollen, so heißt es, Steine der Erleichterung gewesen sein, die die Kulturschaffenden der Stadt im Rhein versenkt haben. Die Kölner Oper hatte endlich einen neuen Intendanten beschert bekommen. Es ist – ein Kölner.
Was elegant im Ruckzuckverfahren erledigt werden sollte, entpuppte sich über...
