Gluck: Orpheus und Eurydike
Alles Theater? Wenn der Chor am Ende vom Triumph Amors singt, tut er das gleichsam in eigener Regie. Die beiden Liebenden sind zu diesem Zeitpunkt von der Bühne ihres vorgestellten Lebens bereits abgetreten. Sie schauen sich das «lieto fine» der theatralischen Handlung (in der leicht gekürzten Wiener Fassung von 1762) aus der Publikumsperspektive an. Das ist der konsequente Schluss einer Aufführung, die vor dem Eisernen Vorhang beginnt und einen ganz und gar heutigen Orpheus zeigt, der laut klopfend erst mal Einlass in die eigene Geschichte begehrt.
Zsuzsanna Kakuk, neu im Ensemble des Mittelsächsischen Theaters, hat damit nicht die geringsten Schwierigkeiten. Das Verfahren ist Teil einer Prüfung, die an Mozarts «Zauberflöte» erinnert – und das unter «Stabführung» einer allegorischen Figur, die man aufgrund ihrer Schwingen leicht für einen Engel halten könnte. Jan Heinke lässt nicht nur sein stählernes Rohr klingen. In einem Zwischenspiel bezaubert er mit geheimnisvollem Obertongesang.
«Orpheus und Eurydike» einmal anders. Annette Jahns, am selben Ort mit «Carmina Burana» sehr erfolgreich, schafft mit starken Bildern Spannung. Selbst wenn die Wolkenprojektion nicht unbedingt von ...
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Erst mit der finalen Fuge lösen sich manche Fragen und Rätsel, die David Hermanns Regie an Verdis späte Komödie stellt. Das Schlussensemble gestaltet der Regisseur als boshaft-karikierende «Moral von der Geschicht»: Dr. Cajus und Bardolfo outen sich als Schwulenpaar, die Betroffenheit aus Anlass ihrer eben vollzogenen «Heirat» hält sich in Grenzen. Ford und Alice...
Der «Ring»-Zyklus der Vlaamse Opera geht auf die Zielgerade zu. Und im Verlauf der dritten Etappe, im «Siegfried», ist nun deutlich geworden, dass Wagners Götter- und Menschensaga hier ganz im Bann der Cyber-Ära steht. Zur Erinnerung: Das «Rheingold» spielt in einer Server-Zentrale, der Schatz selbst ist ein Superchip. Wotan leitet eine Computerfirma, die wie...
