Mama wird’s schon richten
So machen’s eben doch nicht alle! Noch bevor Lorenzo da Ponte in «Così fan tutte» die weibliche Treue grundsätzlich infrage stellte, entwarf er in «Una cosa rara» ein Gegenbild: Es sei zwar sehr selten, aber es komme doch vor, dass «bellezza ed onestà» zur Synthese finden. Das gute Beispiel gibt die Bäuerin Lilla, die allen Anfechtungen zum Trotz ihrem grobschlächtigen und jähzornigen Lubino die Treue hält. Freilich spielt sich diese Handlung in einer idealisierten Welt ab, die von Rousseau geprägt ist.
Königin Isabella würde liebend gern ihren Palast mit den «einfachen Hütten» tauschen, in denen «das Glück wohnt». Als gute Landesmutter kann sie nicht mehr tun, als die richtigen Paare, die sich ständig küssen und schlagen, zusammen-
zuführen und einen Skandal vom eigenen Hause abzuwenden. Ihr Sohn Giovanni nämlich, ein noch grünes Bürscherl, das am Rockzipfel der Mama hängt, versucht den Don Juan zu geben und Lilla mit Geschenken und Geld zu erobern. Auf eine Beschwerde der Landleute hin nimmt der Hofmeister Corrado alle Schuld auf sich, um Giovanni zu decken, und wird von Isabella in die Verbannung geschickt. Die Oper endet mit Gesang und Tanz zu Ehren der weisen Monarchin.
Gemessen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Für Glenn Gould war Ernst Krenek eine «One-Man History of Twentieth-Century Music». In der Tat gibt es wohl keinen zweiten Komponisten, der die musikalische Moderne gleichsam in Personalunion verkörpert. Im Symposion des Berliner Konzerthauses brachte es Lothar Knessel so auf den Punkt: Krenek sei der personifizierte Zeitgeist schlechthin – ein ganzes Jahrhundert...
Zunächst denkt man sich: nicht übel, das alles; aber eben auch naheliegend, das, was man im Vorspiel der «Ariadne auf Naxos» halt so macht, vielleicht beim Komponisten und dem Musiklehrer sogar allzu bewusst ausgestellt. Doch solche Gedanken werden mehr und mehr verscheucht von der Art, wie Strauss' und Hofmannsthals Schöpfung an der Opéra national du Rhin...
Es war keine schlechte Überraschung: 2004 outete sich Edita Gruberova in Donizettis «Roberto Devereux» als Darstellerin. Das Ereignis fand an der Bayerischen Staatsoper statt. Fünf Jahre später folgte dort mit ihrem Lieblingsregisseur Christof Loy «Lucrezia Borgia», und die Schraube ist quasi noch weiter gedreht: Fast nichts mehr «stört» nun die von allem Zierrat...
