Gebrochene Herzen, doppelte Perspektiven
Er ist und bleibt ein Spieler. Ein homo ludens, der mit kindlicher Freude Figuren in prachtvollen Kulissen bewegt. Und dabei, egal was er anpackt, immer zu gewinnen scheint. Niemand schlägt auf der Opernbühne aus dem eigenen Spieltrieb buntere Funken. Keiner treibt auf der Suche nach dem ultimativen spectaculum den Apparat so virtuos zum Wahnsinn. Wenn Stefan Herheim Regie führt, geht es in die Vollen, entsteht opulentes Assoziationstheater, das auf Verführung, Überrumpelung, Überwältigung aus ist. Mit Scherz, Satire und geliehener Bedeutung.
Ohne die hermeneutische Gedankenakrobatik seines Dramaturgen Alexander Meier-Dörzenbach, ohne die barocke Schaustellerlust seiner Bühnenbildnerin Heike Scheele und der Kostümbildnerin Gesine Völlm wäre Herheim freilich kaum jener Zauberer, der mit jeder neuen Arbeit das Publikum um den Finger wickelt. Sie liefern die Stichworte, Raumbilder, Verkleidungen, aus denen er seine überbordenden Opernrevuen montiert. Händels «Xerxes» inszeniert er – in einer deutschen Fassung von Eberhard Schmidt – als wunderkerzensprühende «Muppet-Show», die sich über das ewige Quiproquo in der Barockoper ebenso amüsiert wie über die sogenannte «historisch ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Albrecht Thiemann
Es ist alter Väter Sitte: Auf das Vorspiel folgt in «Ariadne auf Naxos» die Oper. Im Festspielsommer 2012 macht sich Salzburg darum verdient, die Urfassung der Oper mit vorangestelltem Schauspiel «Der Bürger als Edelmann» neu zu befragen – doch schon ein paar Monate zuvor hat das Theater Heidelberg die altbekannte Allianz Vorspiel/Oper rotzfrech aus den Angeln...
Der Regisseur Sebastian Baumgarten übermalt Puccinis Triptychon Bild um Bild, doch nicht erst am Ende überzeugen die Klangbilder mehr als alle szenischen De- und Rekonstruktionen. An der Staatsoper Hannover ist Puccinis «Il trittico» vor allem ein Mannschaftssieg. Dieser Dreiteiler ist nach wie vor eine Herausforderung für jedes Ensemble, jeden Chor und jedes...
Beim Namen Dessau denkt man heute vor allem an das legendäre Bauhaus. Sieben glorreiche Jahre lang war die Zukunft in der Stadt zu Hause. Schon 1931 aber siegten die Nazis bei den Gemeinderatswahlen und machten sich sofort daran, die Avantgardisten zu vertreiben. Als der «Führer» 1938 den Dessauern als Ersatz für das 1922 abgebrannte Stadttheater einen wuchtigen...
