Mitten im Geschehen
Was muss ein Stoff haben, damit eine Oper aus ihm werden kann? Aribert Reimann hat diese Frage für sich so beantwortet: «gleichnishaften Ewigkeitswert». In seinen Bühnenwerken ist daher der Mensch das Maß der Dinge. Er ist Thema, Anlass, Gegenstand – und zwar als singend sich äußernde und entäußernde Figur. Darin dürfte ein wesentlicher Grund dafür liegen, dass diese Stücke auch nach den Uraufführungen weitergespielt werden, ja dass es von «Melusine» oder «Gespenstersonate» seit Jahrzehnten immer wieder und weit über Deutschland hinaus Aufführungsserien gibt.
«Lear» schlägt in dieser Hinsicht alle Rekorde. Die Uraufführung fand 1978 im Münchner Nationaltheater statt. Seitdem hat das Stück mehr als zwanzig Neuproduktionen erlebt und zwar an Häusern jeder Größenordnung: Amsterdam, London und San Francisco sind ebenso darunter wie Nürnberg und Oldenburg.
An der Oper Frankfurt lieferte Sebastian Weigle mit «Lear» seinen Einstand als Generalmusikdirektor. Die Aufführung wurde in dieser Zeitschrift ausführlich besprochen (siehe OW 11/2008). Aus vier Vorstellungen im Herbst 2008 hat das Label Oehms jetzt einen Live-Mitschnitt destilliert und auf CD veröffentlicht. Es soll der Beginn einer ...
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Ein neuer «Ring» läuft selten sofort rund, zumal wenn ein Haus sich zum ersten Mal an Wagners Opus maximum wagt. Washingtons National Opera etwa musste «Siegfried» in der vergangenen Spielzeit verschieben, Alan Held und Gidon Saks traten stattdessen im «Holländer» auf. Und die «Götterdämmerung» wird im kommenden Jahr nur konzertant zu erleben sein: Francesca...
Der 1713 während Händels erstem Londoner Aufenthalt entstandene «Teseo» ist in jeder Hinsicht ein Ausnahmewerk, weil er stofflich wie formal auf eine französische tragédie lyrique, Lullys «Thesée» aus dem Jahr 1675, zurückgeht. Im Endeffekt hat Händel dann doch eine italienische Opera seria komponiert, die Form aber durch dramatische Accompagnati, Duette, kürzere...
Paul Celan ist heimgekehrt. 1958 verlieh man ihm den Literaturpreis der freien Hansestadt Bremen, jetzt produzierte das Bremer Theater die 2001 in Dresden uraufgeführte und seitdem von Mainz und Köln nachgespielte «Celan»-Oper von Peter Ruzicka. Eine Aufführung, die trotz großer Meriten die schon geäußerten Zweifel an diesem Werk (OW 5/2001 und 6/2003) nicht...
