Oper am offenen Herzen
Wenn ein Musik-Festival schon «UltraSchall» heißt, ist es bis zur «Oper am offenen Herzen» nicht weit. Derart kalauernd haben die Autoren einer «Opernsaga» namens «Kommander Kobayashi» ihr Vorgehen beschrieben. Diagnose: OP(er) dringend erforderlich, Praxisgebühr von 13 Euro bitte an der Abendkasse entrichten. Ergebnis: Patient lebt, ist aber kaum wiederzuerkennen.
Der Reihe nach: Das von Deutschlandradio und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg veranstaltete hauptstädtische Avantgarde-Fest hat zwei Musiktheater-Produktionen gezeigt, die ursprünglich aus Hamburg stammen und verschiedener kaum sein könnten. Zunächst «St. Jago», vor fünfzehn Jahren entstandene «Musik und Bilder zu Kleist» von Dieter Schnebel, der in diesem Monat seinen 75. Geburtstag feiert.
In seinem Einakter stützt sich Schnebel hauptsächlich auf die Erzählung «Das Erdbeben in Chili» und stellt ihr Dokumente zu Kleists Tod voran. Trotz der beachtlichen Ausführung durch Gesangsquartett und Sprechertrio, begleitet vom Kammerensemble Neue Musik Berlin unter Steffen Tast – die «musikalische Lesung», im Programmheft als «parametral überformt» charakterisiert, geriet zäh. Das lag nicht nur an dem schuhschachteligen ...
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Herr Domingo, Sie nehmen in diesen Wochen unter der Leitung von Antonio Pappano den kompletten «Tristan» auf – nach über vierzig Bühnenjahren und fast neunzig Opern-Gesamtaufnahmen. Was treibt einen Sänger, der es sich mit Konzerten und Galas viel leichter machen könnte, zur schwierigsten Partie des gesamten Tenorfachs?
Eben die besondere Herausforderung. Und die...
Er liebt seine Jungen, vielleicht allzu sehr. Das verzeiht er sich nicht und quält sie, sucht die Berührung in der Aggression, stößt sie weg von sich, um sie danach umso zärtlicher wieder an sich zu drücken. Und den Neuen küsst er dort auf den Nacken, wo er ihm vorher einen blauen Fleck verpasst hat. Peter Grimes ist in der Innsbrucker Erstaufführung von Brittens...
Eine Musikkomödie als Nationaloper: So etwas gibt es nur in Dänemark. Carl Nielsens «Maskarade» (1906) hat nichts von schwerblütiger nordischer Spätromantik, sondern atmet den graziösen Geist des Settecento, entspricht damit genau dem Sujet, das von dem dänischen Molière Ludvig Holberg stammt. Die vorzügliche Decca-Aufnahme der Oper (1996) unter Ulf Schirmer hat...
