Augen zu, Ohren auf!
Händels «Alessandro» muss für jeden Regisseur ein Alptraum sein. Trotz kriegerischer Auseinandersetzungen und politischer Verschwörungen geht der Griechenkönig Alexander auf seinem Indienfeldzug ausschließlich seinen amourösen Neigungen nach. Während er Rossane, die ihn liebt, hinhält, versucht er seinem indischen Widersacher Tassile die Braut Lisaura auszuspannen. Da aber selbst ein Welteroberer in seinem Hochmut nicht gleichzeitig zwei Frauen heiraten kann, gibt er sich schließlich mit Rossane zufrieden und überlässt Lisaura großmütig Tassile.
Um dieses glückliche Ende zu erreichen, benötigt Händel 73 Nummern. In der fast ungekürzten Karlsruher Aufführung sind das dreieinhalb Stunden großartige, aber dramatisch oft genug auf der Stelle tretende Musik.
Händel musste für die Londoner Uraufführung 1726 seine drei Stars – die beiden rivalisierenden Primadonnen Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni sowie den Altkastraten Senesino – so ausgiebig mit Arien bedienen (je sechs für Cuzzoni und Bordoni, sieben für Senesino), dass für die übrigen vier Partien nur noch musikalische Brosamen abfielen. Tassile und die drei griechischen Höflinge Clito, Leonato und Leonte sind zu Statistenrollen ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Uwe Schweikert
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