Feinheit, Fülle, Freiheit
Es ist ja nicht so, dass Kirill Petrenko die «Meistersinger» einfach schneller dirigieren würde als die allermeisten seiner Kollegen. Dass sie bei ihm in sich bewegter klingen, filigraner, schwungvoller, detailreicher, folgerichtiger, das hat viele Ursachen. Schon das Vorspiel gelingt als Meisterstück ausgewogener Proportionen. Das C-Dur-Eingangsthema wird meist zu langsam genommen, fällt gravitätisch oder gar pompös aus – schon Richard Wagner hatte sich darüber geärgert. Bei Petrenko hat das berühmt-berüchtigte Thema inneren Drive und klare rhythmische Kontur.
Die Achtelnoten federn elegant; die Viertel marschieren nicht zur Subdominante, sondern sie werden – in flottem Tempo – fast legato gespielt, als gebundenes Detail einer größeren Phrase. So kann sich Petrenko immer wieder ohne große Beschleunigungen oder Tempobremsen auf das Hauptzeitmaß beziehen. Die staccacto gestoßene Es-Dur Passage der Holzbläser beispielsweise kommt bei ihm keineswegs schneller als üblich, sie fügt sich aber organisch in eine großbogige Architektur.
Gewiss, auch bei Roger Norrington dauerte das «Meistersinger»-Vorspiel kaum zehn Minuten. Doch war es eben nur das Vorspiel. Kirill Petrenko und das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Stephan Mösch
Ein Wunder, ein Wunder, ein Wunder», ruft die Menge in Richard Wagners «Lohengrin», als der Gralsritter auf dem Schwan dahergeschwommen kommt. Ein Wunder brauchte auch das Konzert Theater Bern, als man sich letztes Jahr unverhofft mit einer Panne konfrontiert sah. Seit 2014 wird der neoklassizistische Bau umfassend renoviert (Kostendach: 45 Millionen Schweizer...
Die 1719 eröffnete Dresdner Hofoper am Zwinger war eines der größten Opernhäuser ihrer Zeit und genoss die besondere Aufmerksamkeit Friedrich Augusts II., dessen Vater August der Starke die sächsische Hauptstadt zum «Elbflorenz» und Kulturzentrum von europäischem Rang gemacht hatte. 1733, als Friedrich August II. die Herrschaft antrat, war der Kampf um die...
Ob mit dem genialen Cellisten Emanuel Feuermann, den er am 4. Juni 1924 in Poppers «Serenade» mit Bass-Schmackes am Klavier begleitet, oder als Dirigent, der dem vom «Launischen Glück» schmalzenden Joseph Schmidt (in Strauß’ «Tausendundeine Nacht») den Orchestersamt um den Tenor fältet – Frieder Weissmann war im Zeitalter der Schelllackplatte ein verlässlicher...
