Im spirituellen Kraftfeld
Es ist ganz normal, dass ein Werk mit sakralem Inhalt in einem sakralen Raum uraufgeführt wird. Dennoch haftete der Premiere von Wilfried Hillers «Der Sohn des Zimmermanns» etwas Besonderes an: Das Auftragswerk der Abbé-Vogler-Musikstiftung wirkte im Kiliansdom auch deshalb ergreifend, weil es punktgenau überging in das um 21.20 Uhr anhebende Glockengeläute zum 65. Jahrestag der Zerstörung Würzburgs.
Dass seine «Szenen nach dem Neuen Testament» so enden würden, war dem inzwischen 69-jährigen Komponisten schon klar, als er vor fast fünf Jahren mit der Dramaturgin Elisabeth Woska und dem Librettisten Winfried Böhm die Arbeit an dem Stück begann, das als Oper und nicht als Oratorium angelegt ist. Vom Mainfranken-
theater ist eine szenische Aufführung bereits angedacht. Man könnte dann auf all jene Mitwirkenden zurückgreifen, die es in einem herkömmlichen Opernorchester nicht gibt. Denn das Instrumentarium ist außergewöhnlich. «Ich bin in einem Alter», sagte Hiller in einem Interview vorab, «wo einem das egal sein darf, ob es so eine Besetzung in einem Opernhaus gibt». Also hat er für Instrumente geschrieben, die er bevorzugt. Vier Percussionisten spielen 78 verschiedene ...
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Darauf muss man erst mal kommen. Juno, die große Abwesende, die Unsichtbare, mischt von Anfang an mit. Normalerweise regt sich die hohe Dame erst im letzten Aufzug coram publico über die erotischen Eskapaden ihres Göttergatten Jupiter auf. Bis dahin schmollt sie stumm im Off – so steht’s im «Platée»-Textbuch von Adrien-Joseph Le Valois d’Orville und in den Noten...
Er sei einfach der «aller-, allerbeste Intendant der Welt», schrieb die Fränkin Waltraud Meier, als der Franke Wolfgang Wagner 75 wurde. Sie brachte damit zum Ausdruck, was alle dachten und spürten: dass dieser Enkel des großen Richard motivieren konnte wie kein zweiter Theaterchef. Weil er immer da war, wenn man ihn brauchte, ansprechbar, offen, nie um eine (oft...
Günter Krämer und Gerd Albrecht brachten in den neunziger Jahren einen «Ring» in Hamburg heraus. Andreas Reinhardt, langjähriger Kombattant, hatte damals die kühlen (und mit Elementen der Industriekultur prunkenden) Bilder entworfen: großzügig, modern, solide.
Nun ergriff Krämer die Chance zu einer neuerlichen Auseinandersetzung mit einem der Hauptwerke des 19....
