Strauss: Intermezzo

Zürich

Opernwelt - Logo

Statt der Anekdote die Beinahe-Tragödie. Statt des gemütlichen Ambientes der Garmischer Richard-Strauss-Villa der sich öffnende und schließende, der immerfort kreisende Gasometer, aus dem es für die einsame Ehefrau Christine (alias Pauline) kein Entkommen gibt. Die Zürcher «Intermezzo»-Inszenierung Jens-Daniel Herzogs in der nüchtern-sach­lichen Ausstattung Mathis Neidhardts versucht, den Schwank aus dem Komponisten- und Kapellmeis­terleben des Herrn Strauss/Storch auf die Höhe Ib­sen’scher, Schnitzler’scher Beziehungsdramen zu hieven.

Daran verhebt sich das Produktionsteam – am hoffnungs­losesten, wenn die Gattin den Gatten beim Fehltritt erwischt glaubt und Söhnchen Franzl in ihrer voreiligen Verzweiflung fast mit dem Kopfkissen erstickt: eine Medea für den Hausgebrauch.
Dabei verfängt Herzogs Arbeit durchaus in der großen Genauigkeit der Personenführung, im Ernst, mit dem sie hin­ter die Fassade dieser spektakulär ­extra­vertierten Ehe blickt. In seiner Finalpointe schlägt der Regisseur in stirnrunzelnder Beiläufigkeit den (eigentlich) rechten Ton an. Scheinbar definitive Versöhnung. Storch löffelt an der Festtafel allein seine Suppe. Schlägt aber auch eine Partitur auf und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 65
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Experimentierfeld Mozart

Mit ihrer Überfülle an Musik, die man schon bei der Münchner Premiere 1781 durch drastische Striche kanalisieren musste, ist «Idomeneo» Mozarts reichs­te, experimentellste Oper. Bereits in der Ouvertüre mit ihren abrupten Einbrü­chen wetterleuchtet jene nervöse Erregtheit, die das Psychodrama der Leidenschaften bestimmt, in dem die allesamt durch den Krieg...

Henze: Elegie für junge Liebende

Es sei – so schreibt der Komponist 1971 – zum Verständnis und zum Genuss seiner «Elegie» von nicht unerheblicher Wichtigkeit, die «Reibungen zwischen Farce, Tragödie, Opera buffa und Psychodrama» sichtbar zu machen – eine Forderung, die in der neuen Lübecker Produktion in hohem Maße erfüllt wird. Auf subtile Weise spürt Reto Nicklers Regie den unterschiedlichen...

Weder noch

Am Vorabend des Palmsonntags ging es am Staatstheater Kassel auf Ganze. Ein «Musiktheaterabend von den letzten Dingen» unter dem Titel «Weder noch» war angekündigt, für dessen Konzeption und Inszenierung Paul Esterhazy verantwortlich zeichnete. Es wurde ein vielschichtiger Abend, der allerdings mit einigen Buhs in einem insgesamt matten Schlussapplaus endete. Aus...