Ausgestellt
Achtlos vorbeigehen, das ist nicht so einfach. Vor allem wenn wahlweise ein bauschender Fuchspelzmantel den Körper umhüllt oder eine Seidentoga mehr andeutet als verdeckt. In diesen Premierentagen und -wochen ist Nadja Michael die Domina von Münchens Maximilianstraße. Großformatige Fotos am Nationaltheater machen’s möglich.
Emilia Marty, 337-jährige Untote aus Leos Janáceks «Die Sache Makropulos», als laszive Schlangenfrau oder herausfordernd blickende Sexbombe: Das ist perfekte PR für ein Stück, das zwar gern als Divenvehikel genommen wird, aber aus der Aschenputtel-Ecke dennoch nicht so ganz herauskommt.
Wer will also Nadja Michael diesen heftig bejubelten Erfolg nehmen? Wer sie engagiert wie jetzt die Bayerische Staatsoper, hat ja gleich vieles mitgebucht: raumfüllende Präsenz, eine verlockende Bühnenerscheinung, auch eine (Selbst-)Darstellungswut, bei der man manches willig-billig in Kauf nimmt. Immerhin: Michaels Emilia hört sich nicht ganz so gefährdet an wie ihre Salome oder Tosca. Vokale Bizarrerien gehen bei Janáceks Charakterpartie eher in Ordnung, wenngleich es auch hier zu aufgerissenen Tönen kommt, zu einer diffusen Intonation – und zum bekannten Sprachfehler.
Aber ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Markus Thiel
Draußen scheint der Kampf noch in vollem Gang. Eine Sirene ertönt. Es fallen Schüsse. Ein ewiger Aufschrei, unterbrochen allenfalls von den Marschtritten unzähliger Soldaten. Drinnen im Theater dagegen Totenstille. Erst nach und nach erheben die Gefallenen ihre Stimmen, wortlos weinend in der Finsternis, die sie umgibt. Sie steigen nicht aus den Gräbern, die nach...
Sie geben ein Interview, dabei müssen Sie gleich auf die Bühne. Macht es Ihnen nichts aus, jetzt noch so viel zu sprechen?
Mich kümmert das nicht so. Ich habe mir eine positive Form der Routine angewöhnt. Ob Vorstellung oder Probe: Ich versuche, den Tag so normal wie möglich zu gestalten und mich nicht verrückt zu machen.
Wie sieht bei Ihnen denn ein Vorstellungstag...
Anita Cerquetti war eine der enigmatischsten Erscheinungen der jüngeren Operngeschichte. Mit 20 debütierte sie 1951 als Aida in Spoleto, in den folgenden Jahren arbeitete sie sich mühsam durch die Provinz und in die erste Reihe vor. Ihre große Stunde schlug, als sie im Januar 1958 nach dem skandalumwitterten «Norma»-Abbruch in Rom für die Assoluta Maria Callas...
