Aus dritter Hand
Die Castorf-Epigonen gehen um. Zwei lebendige Momente hatte Benedikt von Peters Inszenierung von Händels «Teseo» (1713) an der Komischen Oper immerhin: Der eine ereignete sich nach fünfundvierzig Minuten, als zu den Klängen der feierlichen Ouvertüre der Eiserne Vorhang hochfuhr und den Blick auf das verregnet-morastige Schlachtfeld vor Athen freigab. Die Ouvertüre wurde zwischen den ersten und zweiten Akt verlegt, um das pathetische Bild trostloser Schönheit, schöner Trostlosigkeit zu ermöglichen.
Als die Zauberin Medea nach einer weiteren Stunde die Insassen des Kriegsbunkers laut Display aus dem Morast in eine «Wüste» versetzte und sich zu diesem Zweck eine Waggonladung Heilschlamm über den Köpfen der Bedauernswerten entlud, erweckte der Dschungel-Camp-Gag den unter der bleiernen Kunstanstrengung dahindämmernden Zuschauerraum immerhin sekundenweise zu heiterem Leben.
Von Peter (Götz Friedrich-Preis 2007; Heidelberg, Berlin, demnächst Frankfurt) möchte mit Händels Libretto vorführen, wie Krieg die Menschen seelisch verwüstet. Dazu zeigt er sie erst in einer «Huis clos»-Situation im Kommandobunker, dann in einem «Mutter Courage»-Setting auf dem Schlachtfeld. Nach dem Sieg – der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vor vielen Jahren klebte in Gelsenkirchen ein Plakat mit dem Text «An Jesus kommst du nicht vorbei». Einer schrieb darunter: «Stan Libuda immer». Eine zarte Blasphemie, über die vermutlich auch Gott schmunzelte. Was das mit Rolando Villazón zu tun hat? An ihm und seinem Comeback nach der etwa halbjährigen freiwilligen Auszeit käme im Augenblick wohl auch der...
Sie hatte einen wunderbar präzisen Humor. Als Inga Nielsen, noch ganz junge Sängerin, einen Vorsingtermin bei Herbert von Karajan bekam, war sie verständlicherweise aufgeregt. Der Maestro mit den stahlblauen Augen fixierte sie scharf und sagte etwas wie: «Nun seien Sie doch nicht nervös. Wir wollen nur ein bisschen Musik machen.» Sie konterte: «Wären Sie etwa nicht...
Wozzeck legt sein Ohr an die Erdkruste: Alles hohl, sagt er, und vermutet als Grund die Freimaurer. Aktuelle Bilder treten einem bei dieser Aussage vor Augen: Die Erde wird ausgehöhlt, das Öl abgezapft, Kohle so lange abgebaut, bis die trügerische «schöne» Oberfläche einstürzt. Menschlicher Forschungsgeist, menschliche Geldgier, menschliche Uneinsichtigkeit gründen...
