Stimmen aus dem Gulag
Eine Fotoausstellung im Foyer stimmt auf die Aufführung ein: von Schrecken gezeichnete Gesichter, die an die Porträts von Häftlingen in deutschen KZs erinnern, Bilder von Hinrichtungen sowie Videos, in denen Gulag-Opfer von ihren Gerichtsverfahren berichten. Auf der dunklen Bühne des Theaters am Gleis in Winterthur nimmt der stumme Schrecken dann klingende Gestalt an. «Et cetera», ein Musiktheater nach Alexander Solschenizyns «Archipel Gulag», ist vermutlich das erste derartige Werk (am 26.
Juni wurde es uraufgeführt), das sich direkt auf den Gulag-Horror bezieht, der in Russland noch immer der Aufarbeitung harrt. Und es zeugt vom Mut der jungen, in Berlin lebenden Russin Marina Khorkova, dass sie zusammen mit der Regisseurin Ekaterina Vasileva und der Bühnengestalterin Sonya Kobozeva den Versuch unternommen hat, den Toten eine Stimme zu verleihen. Aus gutem Grund hat sie es unterlassen, Texte singen zu lassen. Zu hören sind die Laute der Geknechteten und Misshandelten im Rohzustand: Heulen, Schreien, Stammeln, Röcheln bis hin zum tonlosen Atmen – der unverstellte seelisch-körperliche Ausdruck des auf elementare Daseinsformen zurückgeworfenen Menschen.
Das ist von starker ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Max Nyffeler
Der Siegeszug von Martinus «Juliette» auf deutschen, österreichischen und Schweizer Bühnen – mal abwarten, ob er anhält – ist verdient und überfällig. Dass nach der alten tschechischen Gesamtaufnahme unter Jaroslav Krombholc (aus den 1960er-Jahren) nun schon der zweite Mitschnitt der deutschsprachigen Fassung veröffentlicht wurde, ist freilich dem Ehrgeiz der...
Peter Maxwell Davies hat sich immer dafür eingesetzt, auch Amateuren und Kindern Zugang zur klassischen Musik zu verschaffen. Und er war fasziniert von den Mythen der schottischen Orkney-Inseln, wo er sich 1971 niederließ. In seiner letzten Oper fließen diese Interessen ineins. Die Story: Das Seeungeheuer Nuckleavee bedroht die Orkneys. Der Knabe Magnus tut sich...
Das Gedankenspiel hätte ihm gefallen: Nach den Regeln der Quantenmechanik, meinte der Physiker Erwin Schrödinger 1935, könne eine Katze, die man in eine Kammer mit instabilen, sprich: potenziell strahlenden Atomen einschließe, gleichzeitig lebendig und tot sein. Warum? Weil man nicht weiß, wann genau die Kerne zerfallen und ihre radioaktive Energie freisetzen....
