Tödlicher Auftrag
Allzu viele Aufführungen von Hans Pfitzners musiktheatralischem Hauptwerk «Palestrina» gab es in den letzten Jahrzehnten nicht – und wohl überhaupt noch keine eines innovativ durchdringenden Szenikers. Das scheint erstaunlich, weil es sich um ein Schlüsselwerk an der Nahtstelle zwischen Wagner und der Moderne handelt. Und zudem um eine veritable, in vielerlei Hinsicht belastete Bühnensperrigkeit, an der sich jede ingeniöse (Darstellungs-)Fantasie entzünden müsste.
So war es nun Harry Kupfer, einer der großen Alten der deutschen Opernregie, der diese «musikalische Legende» mit zupackender Anschärfung am Frankfurter Opernhaus neu erzählte und ihr damit vielleicht einen längst überfälligen Rezeptionsschub verschaffte. Der Künstler im Getriebe der Macht – das schien Motto dieser Interpretation, die im Gegensatz zu Christian Stückls Münchner Neuinszenierung vom vergangenen Winter (siehe OW 3/2009) keineswegs modebewusst verpoppt daherkam.
Sie durchstieß die Buchstäblichkeit des (vom Komponisten selbst verfassten) Textes ebenso wie Pfitzners von Schopenhauer übernommene These von der Unbeflecktheit geistigen und künstlerischen Hervorbringens durch das «weltliche Treiben» der ...
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Alles hängt in nachtgrauer Luft. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Himmel und Erde. Was war, was ist, was wird – niemand weiß das mehr zu sagen. Kalt fließt die Zeit, ohne Ursprung, ohne Ziel. Die letzte Stunde hat offenbar schon geschlagen, die Welt taumelt ihrem Ende unrettbar entgegen, wenn im Palau de Les Arts Reina Sofía unter den Augen der Königin die...
Als die Met 1991 John Coriglianos «The Ghosts of Versailles» herausbrachte, war jedem klar, dass die Oper zu lang ist. Aber wen interessierte das? Corigliano und sein Librettist William M. Hoffmann hatten in dem von ihnen erfundenen Genre der grand opera buffa eine mitreißende Arbeit abgeliefert, in der Mozarts und Rossinis «Figaro»-Personal auf die Gespenster...
Damals, in den studentenbewegten, morgenroten siebziger Jahren, ahnte wohl niemand, dass das schöne Italien, Sehnsuchts- und touristischer Wallfahrtsort unzähliger Nordlichter, eines Tages von Leuten regiert würde, die für die sogenannte «Hochkultur» nur Verachtung übrig haben. Statt, wie heute Berlusconi, die Theater, Orchester und Museen des Landes (nicht nur die...
