Charlotte, er war's nicht!
Der erste heiße Mainachmittag. Auch wir drohen (ganz kurz nur! ehrlich!) der Versuchung zu erliegen, uns gegen die Französische Revolution zu entscheiden. Für das italienische Eis. Aber ein paar haben es doch ins Mittelsächsische Theater, Zweigstelle Döbeln, geschafft: Die Reihe vor uns etwa hat ein Zwölferrat aus älteren Damen komplett beschlagnahmt, angerückt, um die Opernrarität dieser Spielzeit zu begutachten: «Charlotte Corday», ein Dreiakter von Lorenzo Ferrero über die Ermordung des Girondisten Jean-Paul Marat durch die Titelheldin im Juli 1793.
Aus dem Graben steigt es süffig auf, tonal, mit viel Schlagwerk und musicalhaften Melodien – eine Mischung aus Weill und Bernstein (Ferrero hatte zwar am IRCAM experimentiert und über John Cage promoviert, diese Phase aber 1989 ganz offensichtlich hinter sich gelassen). Wohlgefällig wackeln die Locken des Zwölferrats. Der Mittelsächsischen Philharmonie unter Jan Michael Horstmann kann man gut zuhören. Sehr gut sogar.
Während das Preludio dahinströmt, sitzt Lilia Milek auf der Bühne und überzeugt mit hehrem Blick sogleich als tapfere Charlotte, während auf einem Gazeschleier die Revolution Revue passiert: Schatten formieren sich zum ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Wiebke Roloff
Im zweiten Jahr des Ersten Weltkriegs, 1915, beendete der Wiener Akademielehrer Franz Schreker seine Oper «Die Gezeichneten». Was er hinter der Maske der italienischen Renaissance, im alten Genua, an Personal vorführte, waren die Protagonisten seiner eigenen habsburgischen Umwelt, in der sich Biederkeit und Ausschweifung, zackige Männlichkeit und Psychoanalyse...
Der Mensch ist zum Unglücklichsein verdammt in seinem Streben nach Glück. Er sucht nach Wahrheit und findet: nichts. Er sehnt sich nach Erfüllung und landet im: Nichts. Finster ist die Handlung von Ingvar Lidholms Oper «Ein Traumspiel», noch finsterer als seine literarische Vorlage, August Strindbergs gleichnamiges Drama.
Doch er hat eine Botschaft, dieser...
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