Das Unglück so nahe
Gleich drei britische Opernkompanien haben sich im ersten Quartal dieses Jahres Leoš Janáčeks Tragödie aus der russischen Provinz vorgenommen. Den Anfang machte im Februar die Opera North in Leeds mit der Wiederaufnahme der «Katja Kabanowa»-Inszenierung von Regisseur Tim Albery von 2007. Eine Neuinszenierung des Dreiakters für die Scottish Opera kam dann Mitte März in Glasgow heraus.
Und auch die Londoner Royal Opera hat im Rahmen ihres aktuellen Janáček-Zyklus (den Krzysztof Warlikowskis «Totenhaus»-Deutung eröffnete und der mit Produktionen von «Jenůfa» und «Die Sache Makropulos» in den kommenden Spielzeiten fortgesetzt werden soll) ihren Beitrag zur Auslegung von Janáčeks Alterswerk vorgestellt.
An Covent Garden verlagert Regisseur Richard Jones die Handlung in die 1960er-Jahre – eine Dekade, die der gebürtige Londoner in seinen Inszenierungen gerne aufruft. Gewohnt frugal, bisweilen kahl die Bühne von Ausstatter Antony McDonald: Das dénouement (im Libretto spielt es in einer Kirchenruine am Fluss) vollzieht sich in einem schlichten Holzkasten mit zwei Türen und einer Sitzbank, der sich als Wartehäuschen des öffentlichen Nahverkehrs zu erkennen gibt und einen denkbar ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von George Hall
Als das Royal Opera House in den Jahren 1997–1999 saniert wurde, nutzte man die Gelegenheit, eine Studiotheaterbühne unterhalb des Auditoriums einzurichten. Doch schon bald stellte sich heraus, dass weder die Mitglieder der hauseigenen Kompanie noch das Publikum glücklich damit wurden. Die Verantwortlichen an Covent Garden reagierten: Während einer zweiten,...
Leisten wir uns ruhig mal ein bisschen Name-Dropping. Das Stück hat es verdient. Gustav Mahler dirigierte «Dalibor» als Antrittspremiere an der Wiener Hofoper. 1897 war das – und gewiss kein Zufall. Die Titelpartie sang Hermann Winkelmann, jener Tenor, den Richard Wagner sich als ersten Parsifal nach Bayreuth geholt hatte. Schon vor Mahler hatte sich Münchens...
Es sei ein Irrtum zu glauben, die entscheidenden Momente eines Lebens müssten von lauter und greller Dramatik sein, unterspült von heftigen inneren Aufwallungen. In Wahrheit sei die Dramatik einer lebensbestimmenden Erfahrung von leiserer, retardierender Art, dem Knall, der Stichflamme und dem Vulkanausbruch entgegengesetzt. Solches formuliert sinngemäß der...
