Der Melodiker
Die Einträge fehlen in Deutschlands gängigen Opernhandbüchern. Zwischen Mussorgskyjs «Boris Godunow» und Nicolais «Lustigen Weibern» findet sich dort nichts. Wo eigentlich Josef Myslivecek hingehört, klafft eine Leerstelle im hiesigen Musikwissen. Wenn also die Kammeroper Schloss Rheinsberg den Böhmen auf ihre Festivalbühne brachte, tat sie, was in größeren Häusern längst hätte besorgt werden müssen: Klugheit an die Stelle von Ignoranz treten zu lassen.
Brandenburgs saisonal tätiges Nachwuchssänger-Unternehmen verhalf der 1773 erstmals in Venedig beklatschten «Antigona» zur deutschen Premiere, nachdem es sich vorher der Kompetenzen des kooperierenden Nationaltheaters Prag versichert hatte.
Wenn das lieto fine, wie immer bei Opern des Seria-Typs, ein bisschen plötzlich kommt, wissen wir, dass die verwirrten Gefühle und miesen Winkelzüge, die uns zweieinhalb Stunden lang beschäftigt haben, auch nach diesen zehn Happy-End-Minuten nicht erledigt sind. Der Homo sowjeticus macht weiter, unten als Mitläufer, oben als Diktator. Regisseur Jiri Nekvasil hat den antiken Plot nämlich in ein osteuropäisches Politbüro verlegt, in dem Realsozialismus und Postkommunismus einander ähneln wie die ...
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Das Erdbeben ereignete sich nicht nur in den Straßen von Paris, sondern auch auf den Opernbühnen. Die Französische Revolution hinterließ eben überall ihre Spuren. Vielleicht am deutlichsten bei François-Joseph Gossec, nicht nur weil er während der Revolutionsjahre mit etlichen Ämtern und Pöstchen bekleidet wurde – er war Vorsitzender des Comité de lecture an der...
Bayreuth für Anfänger? An einem Abend? Der «Ring», den das «deutsch-französische forum junger kunst» im Bayreuther «Zentrum» einen Tag vor der Eröffnung der Festspiele aufführte, ist gewiss keiner für Novizen. Die Fassung David Seamans erlebte 1990 ihre Premiere in der Nürnberger «Pocket Opera», aber ganz so klein ist diese Version denn doch nicht. Dreieinhalb...
Vornehm ausgedrückt, haben wir es mit lauter überreizten Figuren zu tun. Sie fuchteln in grellem Licht mit ihren Messern, das Blut spritzt munter, die Bühne gleicht einem Müllhaufen. Es wird gesexelt und proletet, gespuckt, gesoffen und deliriert. «Don Giovanni» aus der Sicht Calixto Bieitos. Wir wollen diese Zeilen lieber nicht damit füllen, wie der katalanische...
