Die Steppe lebt

In Astana, der Hauptstadt Kasachstans, steht das größte Opernhaus Zentralasiens. Valery Gergiev hat es mit Verdis «Attila» eröffnet

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Der Cowboy, der uns in der Steppe rund hundert Kilometer vor der Hauptstadt entgegenkommt, spricht russisch. Er könnte aus einem Bilderbuch stammen oder aus einem anderen Jahrhundert. Das naturgegerbte Gesicht, schwarze Lederjacke, die mit dem Pferderücken verwachsene schlanke Gestalt. So stellt man sich jemand vor, der mit Lasso, Hund und Reitkünsten in Zentralasien eine größere Rinderherde in Schach hält. Wären da nicht die Adidas-Streifen an seiner Trainingshose. Aus seinem Kopfhörer rockt Prince, und ein Handy hat er auch. Kasachstan: ein Land im Umbruch.

Während draußen die alten Kolchosen buchstäblich zerfallen, die Gänse Wasser aus Pfützen schlürfen und die Schlaglöcher so tief sind, dass die Autos gewissenhaft Slalom fahren, wächst Astana als Megalopolis des 21. Jahrhunderts. An den Ufern des Jesil drängen sich dort Glaspaläste und schicke Wohntürme; Norman Foster, der Star-Architekt, hat ein zeltförmiges Einkaufsparadies gebaut, in dessen oberster Etage man sich auch im Winter in einem «Sky Beach Club» räkeln kann, nebenan soll ein Dinopark die Kids bespaßen. Es gibt Halloween-Partys und eine Straße mit Themen-Restaurants. Die Lobby im Fünf-Sterne-­Hotel des ...

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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Mösch

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