Rustikaler Charme
Die am hellsten leuchtenden Sterne, die beim Young Conductors Award der Salzburger Festspiele aufgegangen sind, waren bisher Mirga Gražinytė-Tyla und Lorenzo Viotti. Aber auch die anderen Sieger des seit 2010 mit Unterstützung eines Nahrungsmittelkonzerns durchgeführten Concours, von David Afkham bis Kerem Hasan, können schöne Erfolge vorweisen. Insofern war man von den Leistungen, die in der Endrunde des diesjährigen Wettbewerbs geboten wurden, dann doch ein wenig enttäuscht.
Zu diesem Anlass müssen die Finalistinnen und Finalisten nach mehreren Auswahlstufen vor einer – altgedienten – Jury unter Vorsitz von Dennis Russell Davies im 70-Minuten-Kurzprogramm zur Kür. Gefordert sind je zwei Werke des klassisch-romantischen Repertoires, eine Mozart-Konzertarie und ein zeitgenössisches Stück. Dafür steht als Orchester die so versatile wie flexible Camerata Salzburg zur Verfügung, die das umfangreiche Pensum einmal mehr mit höchster Professionalität und Perfektion bewältigte.
Diesmal hatte man es aber weniger mit herausragend individuellen, eher mit handwerklich versierten Leitungskräften zu tun. Den rundesten Eindruck hinterließ der Moskauer Sergey Akimov, der auch ein gut gebautes ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Karl Harb
Na bitte, geht doch! Zwar nicht auf dem Hügel, wo es nach wie vor nur den zehn kanonisierten Musikdramen Wagners gilt. Auch nicht im frisch restaurierten Markgräflichen Opernhaus, dessen Nutzung der Denkmalschutz strikt reglementiert. Sondern in einem als Kulturbühne wiederbelebten alten Kinosaal («Reichshof») ein paar Schritte neben dem alten Schloss im Zentrum...
Wozu braucht Mimì einen Muff, bei 86 Grad Fahrenheit? Warum stopft der Dichter Rodolfo sein Manuskript in die gusseiserne Bullerofenatrappe, dass die Flammen hell aufschlagen, während ringsum ein Hitzegewitter aufzieht? Und wieso hat Andris Nelsons für diese einmalige konzertante Luxusaufführung von «La Bohème» in The Shed, an der er zuvor tagelang probte und...
Salzburg
Salzburg schwitzte. Aber die Reise zu den diesjährigen Sommerfestspielen lohnte sich: der bildmächtigen Regiehandschriften wegen und auch, weil Dirigenten von Format am Werke waren. In der Felsenreitschule korrespondierten Romeo Castelluccis heiße «Salome»-Bilder mit dem kühl-analytischen Feuerstrom, den Franz Welser-Möst entfachte; im Großen...
