Transparent, mit Temperament

Saint-Saëns: Samson et Dalila Paris / Opéra Bastille

Opernwelt - Logo

Zwischen 1920 und 1940 war «Samson et Dalila» an der Pariser Opéra die am zweithäufigsten gespielte Oper – sie kam in der Statistik gleich nach Gounods «Faust». Doch Ruhm ist vergänglich, jedenfalls in der Rezeptionsgeschichte dieses Werks. Die letzte Neuproduktion liegt jetzt 25 Jahre zurück: Damals tat Pier Luigi Pizzi Camille Saint-Saëns’ Meisterwerk mit seiner Inszenierung keinen Gefallen. Jetzt betraute man Damiano Michieletto mit der Aufgabe, den vernachlässigten «Samson» wieder populär zu machen.

Leider hat der (allzu) viel beschäftige Regisseur dabei bloß Mittelmaß zustande gebracht – seine Arbeit liefert kaum Argumente dafür, dieser Oper auf den Spielplänen jenen prominenten Platz einzuräumen, den sie eigentlich verdient hätte.

In Italien gilt Michieletto als Pionier einer aktuellen Ästhetik. Wieso eigentlich? Offensichtlich ist das eine Frage des Maßstabs. Gewiss, er verlegt die Handlung in die Gegenwart. Neue Erkenntnisse bringt eine solche Maßnahme allein allerdings noch lange nicht. Im Gegenteil: Die Statisten mit schwarzer Uniform und Maschinengewehr sind hier reine Konvention. Zumal Michieletto jeder politischen Deutung dieses von religiösen und ideologischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2016
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Christian Merlin

Weitere Beiträge
Alte Liebe rostet nicht

Als Juan Diego Flórez 1996, damals 23 Jahre alt, zum ersten Mal in die Rossini-Stadt kam, konnte er gleich eine Katapultchance nutzen. Der für Partie des Corradino in «Mathilde di Shabran» vorgesehene Bruce Ford war ausgefallen, der junge Peruaner erlernte in kürzester Zeit den mit virtuosen Höchstschwierigkeiten gespickten Part. Seither ist er immer wieder...

In Statu Nascendi

Die Probleme gehen schon mit den Sprechtexten los. Mit dem pausbäckig-hölzern die vielstimmige französische Vorlage (Jean Nicolas Bouilly) nivellierenden Deutsch des Wiener Hoftheatersekretärs Joseph Sonnleithner, das auch in der Bearbeitung von Friedrich Treitschke nicht wirklich zündet. Schon Wieland Wagner hatte bei seiner Stuttgarter «Fidelio»-Inszenierung...

Familienbande

Steh-Oper bei Calixto Bieito? Der frühe Giuseppe Verdi und «Jérusalem», seine erste Grand Opéra für Paris – ein kaum verkapptes Oratorium? Massen, die sich in Zeitlupe über die Szene verbreiten, in kaum merklicher Vorwärtsbewegung, sofern sie sich nicht ganz statuarisch geben?

Nein, darauf läuft es in Freiburg bei der französischen Fassung von Verdis vierter Oper...