Verdi in Italien
Verdi als Risorgimento-Held? Eigentlich hätte man erwartet, dass die unter dem Stern des 200-jährigen Verdi-Geburtstag-Jubiläums stehende Saison 2012/13 an Italiens Opernhäusern einen Reigen patriotischer Produktionen hervorbringen würde – kurz nach den Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der nationalen Einheit Italiens (2011). Doch es kam, zumindest bislang, anders.
Das mag zum einen an einer gewissen, wohl unvermeidlichen Übersättigung liegen, zum anderen sicher aber auch daran, dass Italien nach der Ära Berlusconi eine gespaltene Nation ist – so tief und unverkennbar wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Unter Spielplanmachern und Regisseuren lassen sich derzeit zwei Tendenzen beobachten: Die einen nehmen selten gespielte Werke neu in den Blick, die anderen werfen – im Sinne einer Wiederbelebung nationaler Aufführungstraditionen – einen nostalgischen Blick zurück auf jene «glücklicheren Tage», als sich Regisseure wie Luchino Visconti, Pier Luigi Pizzi oder Dario Fo auf der Höhe ihrer schöpferischen wie gesellschaftskritischen Produktivität befanden.
Zum Abschluss des Verdi-Festivals in Parma etwa wählte man mit La battaglia di Legnano eine Oper, die weder leicht zu ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Carlo Vitali
Vorne auf den Sesseln die Kritiker, entstellt von Eitelkeit», notierte Gottfried Benn 1928, und Joachim Kaiser, der dies 1965 in seinem Kleinen Theatertagebuch zitierte, sprach in solchem Zusammenhang von einer déformation professionelle der Rezensenten. Doch tut es gelegentlich gut, der Neigung zum «Sehen-und-Gesehenwerden» zu widerstehen und sich auf den Rang zu...
Im Jahr 1940 richteten die Nationalsozialisten auf dem Gelände der Heilanstalt Am Steinhof eine «Kinderfachabteilung» unter der Flurbezeichnung «Spiegelgrund» ein. Ihre Aufgabe war, «lebensunwertes Leben» zu vernichten. Im April 2002 wurden in Wien die Überreste von 789 der ermordeten Kinder auf dem Zentralfriedhof bestattet. Ein später Akt der Rehabilitierung....
Ein Kind war er nicht mehr. Aber die Väter und Großväter machten ihm noch zu schaffen. Brahms vor allen, weniger Reger. Natürlich auch Bach. Zuchtmeister der Form, die nichts laufen ließen. Die der Fantasie Beine machten, indem sie ihr Zügel anlegten. Damit sie sich nicht im Blauen verliere, unterwegs immer ein feste Burg im Auge behalte. Was ist schöpferische...
