Alcinas Wunderreich
Turmhohe Silberhaarperücke, Ballgarderobe, freundliches Lächeln. So stellte man sich Händels Alcina vor, als Joan Sutherland die Rolle mit ihrem Gatten Richard Bonynge am Pult des London Symphony Orchestra auf Schallplatte verewigte. Ein halbes Leben liegt das nun schon zurück, doch noch immer schaut die Alcina der Grand Old Lady des Koloraturgesangs voll gesellschaftsfähig vom Cover der legendären Decca-Aufnahme.
Die Magie der Königin, die auf ihrer Insel die Männer reihenweise um den Finger wickelt (um sie nach Gebrauch per Zauberspruch zu entsorgen), ging lange vor allem vom exotischen Ambiente des Dekors aus. Für die Knalleffekte, etwa die Verwandlung der Lover in wilde Tiere, sorgte die (barocke) Theatermaschinerie. Zwar galt der Bühnentechniker während der fünfziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts nicht mehr als die wichtigste Figur der Aufführungen, doch die vom Komponisten so genial in die Musik eingeschriebene Geometrie der Leidenschaften blieb trotzdem ausgespart. Vom Anderen, Unheimlichen, Abgründigen der Hauptfigur, von den mozartisch differenzierten Gefühlskurven Ruggieros und Bradamantes oder Morganas und Orontes wollte man nichts wissen. Das auf Ariosts «Orlando ...
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Der Jubel kannte keine Grenzen. Als im April 1972 an der Bayerischen Staatsoper ein neuer «Rosenkavalier» in der Regie von Otto Schenk herauskam, schrieb Imre Fabian in dieser Zeitschrift: «Die Sensation dieser Premiere hieß Carlos Kleiber» (siehe OW 6/1972). Die Produktion war opulent besetzt: Gwyneth Jones sang die Marschallin, Karl Ridderbusch den Ochs, Lucia...
Vor zehn Jahren haben wir die erste «Opernwelt»-CD produziert. Die Reihe, die seitdem entstanden ist, kann sich sehen und vor allem hören lassen – und sie folgt einer Grundidee. Alle diese CDs waren Sängerinnen oder Sängern gewidmet, die von der Plattenindustrie vernachlässigt wurden und wenig Chancen hatten, ihre Kunst und ihr Können für spätere Generationen zu...
«Die Frau ohne Schatten» ist gespickt mit Anspielungen und Motiven, mit Zitaten und Entlehnungen; sie lässt sich nicht wirklich inszenieren, ohne dass es an einigen Stellen gründlich hakt. Wer als Regisseur jeden Bezug, jedes Symbol mit einer Erklärung versehen möchte, ist schnell verloren.
Auf diesem Hintergrund verdient Guy Joostens Produktion für die Düsseldorfer...
