Die Weichen sind gestellt
Ach, es könnte so schön sein. Vom Dach des neuen Opernhauses sieht man Florenz wie auf einer Postkarte daliegen. Der Turm des Palazzo Vecchio, Giottos Campanile und die Kuppel des Domes, im Hintergrund die weiße Fassade von Santa Croce, wo Rossini begraben liegt. Das alles nicht so weit weg wie das Zentrum von Paris, wenn man es von der neuen Philharmonie aus betrachtet (und dafür fast ein Fernglas braucht). Und auch nicht so weit draußen wie der Parco della Musica in Rom.
Die neue Oper von Florenz ist nur eine Viertelstunde zu Fuß vom historischen Zentrum entfernt, kurz hinter dem alten Teatro Comunale, das sie ersetzt. Ein wuchtig ausladender Bau des Architektenbüros ABDR, dessen Pointe darin besteht, dass sich der vordere Gebäudeblock, der Zuschauerraum und Foyers einschließt, zum Bühnenturm neigt. Diese Neigung ist nichts anderes als eine Cavea, die man hier kaum vermuten würde: ein Open-Air-Auditorium auf dem Dach des Opernhauses. 1500 Leute finden hier auf weißen Marmorbänken Platz. Wie geschaffen für Live-Übertragungen, aber auch Chorkonzerte und Pop. Und dann – eben – dieser Blick auf die Stadt samt umliegenden Toscana-Hügeln. Schön das alles. Alles schön?
Die neue Opera di ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch
Peter Gülkes neues Buch verschränkt zwei Textebenen. In 54 essayistisch angelegten Kapiteln denkt der Dirigent und Musikwissenschaftler, der 2014 mit dem Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnet wurde, über Musik und verschiedene Formen von Abschied nach. Dazwischen stehen fünf «Selbstgespräche» – interpolierte, tagebuchartige Notizen, in denen er versucht, den...
Die Frage ist ja nicht: Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann? Sondern: Wer ist dieser Samiel überhaupt? In der Wolfsschlucht donnert eine anonyme Stimme – und hat, etwas partiturwidrig, das letzte Wort nach Choraufruhr und Orchestergefecht. Noch interessanter ist diese Frau: stumm, groß, hinkend, verhärmt, Kaspar zu Tode erschreckend in seiner Arie. Auf eine...
Jedes Land besitzt so viele Nationalopern, wie es verträgt. Zum Beispiel Dänemark. Man kennt «Maskarade» und «Saul und David», komponiert von Carl Nielsen. «Wenn man beide ansetzt», sagt der Intendant der Königlichen Oper von Kopenhagen, Sven Müller, «so sollte man bedenken, dass man sie nicht doppelt besetzen kann.» Für mehr als zwei dänische Nationalopern reiche...
