Quellen, Thesen, Argumente
Im Mai 1877 war Giuseppe Verdi in Köln, eingeladen von Ferdinand Hiller, um dort beim Niederrheinischen Musikfest seine «Missa da Requiem» zu dirigieren. So weit, so bekannt. Am 23. Mai speisten die Ehepaare Verdi und Hiller gemeinsam zu Mittag, abends besuchte man eine Aufführung von Schillers «Verschwörung des Fiesko zu Genua» – ein Gastspiel der damals europaweit berühmten Theatertruppe aus Meiningen.
Irgendwann an diesem Tag hat Verdi ein Albumblatt für Madame Hiller geschrieben, die früher einmal Sängerin gewesen war und mit seiner Frau Giuseppina Strepponi möglicherweise schon lange bekannt. Auch das ist zumindest Insidern bekannt: Ein Hinweis auf den Theaterbesuch findet sich in Hillers 1965 veröffentlichtem Tagebuch; das Albumblatt wurde 1979 in einem Auktionskatalog reproduziert. Zusammengedacht hat die Dinge bisher niemand.
Einen solchen Versuch unternimmt Anselm Gerhard in der ersten Ausgabe der neuen, von ihm herausgegebenen Verdi-Zeitschrift – eine Kurzfassung seines Essays hatte «Opernwelt» vor gut zwei Jahren abgedruckt (siehe OW 6/2014). Ihm fällt auf, dass das Albumblatt – ein achttaktiges Largo im Barkarolen-Rhythmus – gewisse Ähnlichkeiten mit Passagen der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 38
von Stephan Mösch
Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert war keine musikalische Gattung für die musikalische Identität einer Nationalkultur wichtiger als das Lied. Dies gilt auch für das seit der Hanse mit der deutschsprachigen Kultur eng verwobene Baltikum. Mit den poetischen Inhalten und der kleinen Form war es weitaus leichter, einen größeren Kreis zu erreichen als etwa mit...
Am Anfang deutet alles auf eine konzertante Aufführung: Das Orchester befindet sich auf der Bühne, davor ein befrackter Gurnemanz. Tatsächlich beginnt jedoch ein «Parsifal» von außergewöhnlichem Format – eine Aufführung, die den ganzen ersten Akt zwischen Oper und Oratorium in der Schwebe hält, entsprechend dem im Stück angelegten ständigen Wechsel von epischen und...
Wer gibt den Befehl? Gott! Wer führt ihn aus? Wir! – Die Rede ist von einem Befehl zu einem Mord, der im Namen des Herrn, für eine cause sainte verübt werden soll. Erteilt wird er in der Oper eines Komponisten, den seine Familie für einen «Schwarzseher» hielt: in «Les Huguenots» von Giacomo Meyerbeer. Wie beim Ritual einer Schwarzen Messe lassen sich fanatische...
