Vexierbilder
Im Uraufführungsjahr von «Pelléas et Mélisande», 1902, schien die Welt alles Geheimnisvolle zu verlieren. Der Film fixierte Bewegungen, Röntgenstrahlen durchleuchteten den Körper, die Psychoanalyse das Unbewusste. Doch es gab auch den anderen Blick. Maurice Maeterlinck, Debussys Librettist, setzte dem Glauben an die Wissenschaft und dem naturalistischen Abbild eine symbolistische Theatersprache entgegen. Vordergründig eine alte Dreiecksgeschichte nacherzählend, schreibt er den Geschehnissen eine nicht zu entschlüsselnde, geheime Notwendigkeit zu.
Sich auf diese fein gesponnene Fantasiewelt einzulassen, fällt schwer, wenn sich rund um die Semperoper die Gemüter an Pegida-Parolen erhitzen. Die Sprache symbolistischer Verrätselung, das zeigen nicht nur aktuelle Musikclips, ist keineswegs passé. Es war daher eine gute Idee, Àlex Ollé vom Theaterkollektiv La Fura dels Baus die Inszenierung von «Pelléas et Mélisande» anzuvertrauen – schließlich ist die Gruppe immer wieder durch aufregende Verbindungen zwischen musikalischen, körperlichen und technizistischen Theaterelementen hervorgetreten. Eine Materialschlacht spart sich Ollé, geizt aber nicht mit wirksamen Effekten. Die Bühnenmitte ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Carsten Niemann
Sieht man einmal von der «Hoffmann»-Oper ab, gehört Offenbach an deutschen Stadt- und Staatstheatern nicht unbedingt zum Kernrepertoire. Rundum geglückte Aufführungen seiner Operetten sind sogar äußerst rar. Nun hat das Haus in Darmstadt «Orpheus in der Unterwelt» herausgebracht – und man möchte fast von einer gelungenen Produktion sprechen. Die Ulk-Mythologie in...
Mit zwei Alleinstellungsmerkmalen wollte Dessaus scheidender Intendant André Bücker seinen «Ring» unverwechselbar machen: Zum einen ließ er Raum und Kostüme im Stil von Oskar Schlemmers Bauhausbühne gestalten; zum anderen erzählte er die Story rückwärts, die «Götterdämmerung» stand also am Anfang (Premiere war im Mai 2012). Das ist die Reihenfolge, in der Wagner...
«Seit ich ihn gesehen ...»: Ein Frauenleben in neues Licht, neue Farben getaucht. Schwärmerische Gefühle einer demütig dem Manne hingegebenen Frau, beschrieben aus der Perspektive eines Mannes – des Dichters Adelbert von Chamisso. Seine Verse sind, wie man in Zeiten von Neofeminismus und Gender-Debatten sagen würde, politically incorrect; widerspruchsfrei ist das...
