Gefährdetes Trio

Seit mehr als fünfzehn Jahren wird in Berlin die Frage diskutiert, ob die hochverschuldete Stadt sich auf Dauer drei Opernhäuser leisten könne. Knapp siebzehn Millionen Euro müssen Deutsche Oper, Komische Oper und Staatsoper bis 2009 einsparen – das hat die Politik beschlossen. Die vor zweieinhalb Jahren installierte «Stiftung Oper in Berlin», unter deren Dach die drei Opern, das Staatsballett und ein Servicebetrieb zusammen­gefasst wurden, soll diese Sparauflage umsetzen, ohne die künstlerische Unabhängigkeit der einzelnen Mitglieder zu tangieren. Ein Ziel, das unmöglich erreicht werden kann, rechnet Stiftungsdirektor Michael Schindhelm vor.Wer freilich nur die Krise in der deutschen Kapitale betrachtet, verkennt, dass es auch andere Metropolen gibt, die mehr als ein Opernhaus bieten. Wie funktioniert das Opernleben in London, Moskau, New York, Paris und Wien? Wie wird es finanziert? Was lässt sich vergleichen, was nicht? Im Folgenden unternehmen wir eine tour d’horizon, bei der es nicht zuletzt um die Voraussetzungen künstlerischer Arbeit geht. Eine Betrachtung und ein Interview zu den ungeklärten Berliner Verhältnissen bilden den ­Ausgangspunkt unseres Themas.

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Die Türen sind verschlossen, der ganze Bau mit seiner wuch­tigen Waschbetonfassade scheint in einen Dornröschenschlaf gesunken zu sein. Wer dieser Tage vor Berlins Deutscher Oper steht, könnte glauben, die Politik habe bereits kurzen Prozess mit dem zweitgrößten Opernhaus der Republik gemacht und es ebenso abgewickelt wie das nur einen Katzensprung entfernte Schiller-Theater. Tatsächlich ist das Haus nur vorübergehend geschlossen – für die Grundsanierung der Bühnentechnik mussten diese und die kommende Saison um jeweils zwei Monate verkürzt werden.

Und doch könnte es durchaus sein, dass es künftig öfter so einsam an der Deutschen Oper sein wird. Denn spätestens seit Berlins Kultursenator Thomas Flierl und der Generaldirektor der Berliner Opernstiftung, Michael Schindhelm, Anfang April bekannt gaben, dass die bis 2009 auf 99 Millionen Euro sinkenden Zuschüsse nicht reichen werden, um den Betrieb der drei Opernhäuser und des mit ­ihnen verbundenen Staatsballetts zu finanzieren, ist klar, dass der Berliner Opernlandschaft eine weitere einschneidende Veränderung bevorsteht. Stück für Stück hat sich im Verlauf des letzten Jahres gezeigt, dass die Stiftung von Anfang an keine ­reelle ...

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Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Thema, Seite 32
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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