Die Pranke des jungen Löwen

Verdi: Oberto Mailand / Teatro alla Scala

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Verstehen wir das Mittelalter? Und verstehen wir die Camorra? Mario Martones Inszenierung von Verdis Opernerstling wirft interessante Fragen auf. Das Werk verdient erhöhte Aufmerksamkeit – gerade weil einem Junggenie das Gesellenstück nicht immer gleich zum Beinahemeisterwerk gerät.

Die Entstehungsgeschichte von «Oberto conte di San Bonifacio» erzählt mehr von der damaligen Aufführungspraxis als von der späteren Ästhetik und Dramaturgie Verdis.

Über das Quellenpuzzle ist sich die Musikologie inzwischen weitgehend ­einig: Anfang 1839, als Verdi die Leitung der Musikschule in Busseto aufgegeben hatte, ging er nach Mailand, wo er hoffte, seine Oper «Rocester» in der Società Filarmonica aufführen zu lassen. Dann erkrankte der Star-Tenor, das Projekt scheiterte. Impresario Merelli machte Verdi den Vorschlag, die Oper in der regulären Saison der Scala aufzuführen. «Rocester» wandelte sich zum «Oberto». Temistocle Solera überarbeitete das ­Libretto. Nicht dass daraus etwas viel Besseres wurde. Hundert Schlüsselwörter – amore, onore, dolore, cuore, traditore, fede, perdono, morire, vendetta – rotieren um stereotype Opernmotive: Die vom Grafen Riccardo Salinguerra verführte, sitzengelassene ...

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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Dietmar Polaczek

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